Haftstrafen auf Bewährung mit Auflage

Landgericht Marburg: Ehe endete mit Drama

Schwalm. Nur Angst einjagen oder war es versuchter Totschlag? Das galt es für das Landgericht Marburg in einem Strafprozess zu klären.

Haftstrafen auf Bewährung und insgesamt 200 Stunden gemeinnützige Arbeit kassierten zwei Männer aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis.

Die Tat 

Ein heute 26-Jähriger und sein 21-jähriger Cousin wurden beschuldigt, am 25. September 2014 mit einem Auto den neuen Lebensgefährten der Ex-Frau des Älteren absichtlich fast überfahren zu haben.

Brisant: Die damalige Ehefrau eines der Beschuldigten und deren beiden gemeinsamen Kleinkinder liefen direkt neben dem jetzt 27-Jährigen. Dieser konnte sich durch einen beherzten Sprung zur Seite retten. Gedanken, dass er hätte getötet werden können, habe er sich nicht gemacht. Die geständigen Angeklagten gaben an, sie wären ihm ohnehin ausgewichen und hätten die Situation nach „ein, zwei Bier“ noch im Griff gehabt.

Die Vorgeschichte 

Drei Wochen vor der Tat war die Scheidung eingereicht worden. Laut der Frau sei ihr Ex-Partner unter Alkoholeinfluss öfter gewalttätig geworden und sei zudem sehr eifersüchtig. Mehrfach habe sie das zur Anzeige gebracht, diese aber zurückgezogen, „weil ich dumm und naiv war.“ Fünf Jahre hielt die Beziehung.

„Sie hat mein Leben versaut. Wegen ihr habe ich getrunken und schließlich den Führerschein abgeben müssen“, hielt der arbeitssuchende Mann entgegen, gegen den zur Tatzeit bereits eine Bewährungsstrafe lief. Aufgebrummt dafür, dass er im Rausch eine Nachbarin verprügelt hatte. Ebenso wie sein Cousin, der das Auto steuerte, hat er sich schon mehrmals vor Gericht verantworten müssen. Seine Kinder dürfe er derzeit nicht sehen, weil er sich noch nicht beim Jugendamt gemeldet habe.

Die Anschuldigungen 

„Wir wollten dem Macker nur mal einen Schrecken machen. Das war eine richtig dumme Idee“, gab der Fahrer kleinlaut zu. Er sei seinem älteren Cousin hörig gewesen, erklärte dessen frühere Frau.

Und sie legte nach: „Mir hat er später gesagt, er wollte ihn umbringen. Er hat sich keine Gedanken gemacht, dass er mich und die Kinder hätte erwischen können“, sagte die mittlerweile 27-Jährige, die sich im Mutterschutz befindet. Laut ihrem Ex-Mann, der während der Verhandlung ständig mit seinem goldenen Handy spielte, habe es dieses Gespräch nie gegeben. Allerdings führte er an, beide seien 2015 noch einmal kurz zusammen gekommen. Das wiederum streitet sie ab.

Das Beinahe-Opfer

„So ein Vollidiot“, habe er lediglich gedacht, als der Kleinwagen vor zwei Jahren auf ihn zugerast sei. Etwa 50 bis 60 Stundenkilometer hätte das Fahrzeug in der Abenddämmerung auf dem Tacho gehabt.

Ob der Pkw nicht vielleicht etwas langsamer unterwegs gewesen sein könnte, wie die beiden Angeklagten behaupteten, wollte der Richter wissen. „Wenn ich km/h im Auge habe, stell’ ich mich an die Ecke und werde Blitzer“, gab der jetzt 27-Jährige frech zu Protokoll. Laut Aufzeichnungen war der Arbeitssuchende zuvor zwei Mal als Zeuge befragt worden. Er konnte sich allerdings nur noch an eine Vernehmung erinnern.

Das Urteil 

Das Gericht entschied, dass es sich um einen gemeinschaftlich begangenen Eingriff in den Straßenverkehr handelte. Der Fahrer wurde aufgrund seiner Unreife zur Tatzeit nach Jugendrecht behandelt und bekam eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung sowie vier Wochen Dauerarrest als sogenannten Warnschussarrest. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit kommen als Auflage hinzu. Ebenfalls 100 Stunden muss der Beifahrer leisten. Dessen bestehende einjährige Haftstrafe wurde um neun Monate verlängert. Auch bewähren muss er sich länger. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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