Landrat kritisiert mangelnde Unterstützung der Landesregierung

+
Geburtshilfe wird eingestellt: Die Station am Kreiskrankenhaus in Alsfeld schließt zum Jahresende. Unser Archivbild zeigt Babys auf einer Neugeborenenstation in Halle. 

Alsfeld. Der Vogelsbergkreis wehrt sich in einer Pressemitteilung gegen den Vorwurf der mangelnden Unterstützung für die Geburtsstation.

Die Landesregierung sei hingegen immer gegen die Geburtshilfe gewesen und habe ihre Abschaffung als Voraussetzung für Fördermittel genannt, erläutert Landrat Manfred Görig. Dazu unsere Fragen und Antworten:

Was hat der Landkreis Vogelsberg in den vergangenen Jahren für den Erhalt der Geburtshilfe getan?

Seit 2013 seien 10,6 Millionen Euro direkter Kreiszuschuss für die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs ins Alsfelder Kreiskrankenhaus geflossen. Für die Jahre 2016 bis 2020 habe die Kreispolitik jährlich zusätzlich 500 000 Euro für die Geburtshilfe in den Haushalt geschrieben, was den durchschnittlichen Verlusten dieser Abteilung entspreche.

Warum haben die drei auf der Geburtsstation tätigen Gynäkologen dieses Angebot abgelehnt?

Zwar haben die Belegärzte die „intensiven und konstruktiven Gespräche mit dem Landrat“ bestätigt, aber auch das Angebot der Übernahme höherer Kosten durch den Landkreis konnte die Ärzte nicht mehr umstimmen. Das Angebot wurde von den Ärzten ausdrücklich mit dem Hinweis abgelehnt, man wolle nicht mehr Geld, sondern die schlechten Rahmenbedingungen insgesamt hätten sie zu diesem Schritt bewogen.

Sowohl der Landrat als auch die Ärzte üben massiv Kritik an der Landesregierung. Warum?

Einer der drei Belegärzte auf der Geburtsstation, Dr. Stefan Schindler, sagte gegenüber der HNA, dass die Landesregierung seit mehreren Jahren Druck ausübe, die Geburtsstation zu schließen. Das bestätigt auch Landrat Görig. Bereits 2013 sei für die Geburtshilfe eine Förderung durch das Versorgungsstrukturgesetz beantragt worden, das eine bessere Versorgung für Patienten und flexiblere Versorgungsstrukturen auf dem Land zum Ziel hat. Das Land Hessen habe damals in der Anhörung klar zum Ausdruck gebracht, dass sie den Antrag für die Geburtshilfe ablehne. „Es sind von der Kreispolitik nicht beeinflussbare Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene, die den Krankenhäusern auf dem Land das Leben schwer machen“, fasst Görig zusammen.

Wie soll es im Vogelsbergkreis nun mit der Geburtshilfe weitergehen?

Die drei Belegärzte wollen ihre Praxis im Kreiskrankenhaus weiterführen und den Fokus vermehrt auf die Vor- und Nachsorge legen. Somit werde die gynäkologische Versorgung im Vogelsbergkreis nicht beeinträchtigt, so Görig.

Hat die Schließung der Geburtsstation in Alsfeld Auswirkungen auf die Geburtshilfestation am Kreiskrankenhaus in Ziegenhain?

Ja, denn die Geburtshilfestation in Ziegenhain ist die nächstgelegene. Weitere gibt es in Bad Hersfeld, Marburg, Fulda und Gießen. Landrat Görig weist allerdings darauf hin, dass bereits jetzt viele werdende Mütter aus dem Vogelsbergkreis Geburtshilfestationen in Nachbarkreisen aufsuchen.

Von den jährlich rund 770 Geburten gingen nur ein Drittel, rund 260 Mütter, zur Entbindung nach Alsfeld. 

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.