Inschrift soll geändert werden

Miriam Höxter aus Israel besucht Stolpersteine ihrer Vorfahren in Treysa

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Zu Besuch: Miriam Höxter ist derzeit mit einer Verwandten in der Schwalm unterwegs. Fotos: Rose

Treysa. 2004 verlegte der Künstler Gunter Demnig in Treysa 25 Stolpersteine, um an die Opfer des Holocaust zu erinnern. Drei sind der Familie Höxter gewidmet. Prof. Dr. Miriam Höxter aus Israel besucht nun Treysa und die Stolpersteine ihrer Vorfahren. Der Text auf den Steinen soll nun geändert werden.

Dem Tierarzt Abraham Höxter, seiner Frau Gretchen - beide nach Theresienstadt deportiert - und ihrem Sohn Werner, der 1935 nach Palästina flüchtete. Erst jetzt hat seine Tochter Miriam Höxter aus Israel von den Stolpersteinen erfahren. Und zwar durch eine Email von Birgit Haaß, der Enkelin des Treysaer Fotografen Eugen Spohr, der für die Nazis tätig war. „Die Enkelin wollte sich dafür bei mir entschuldigen, was meinen Großvater angetan wurde“, erzählt Miriam Höxter.

Aktuell besucht Höxter mit einer Verwandten die Schwalm, unter anderem auch Historiker Bernd Lindenthal. Abraham Höxter war Tierarzt und durfte in Treysa unter den Nationalsozialisten nicht länger arbeiten. Weil sich aber die Maul- und Klauenseuche rasant ausbreitete und er um Hilfe gebeten wurde, tat er das mit der Hilfe eines Diakons in Hephata doch. Und wurde daraufhin öffentlich durch die Stadt zum Marktplatz getrieben und denunziert.

„Von dieser Aktion existieren Fotos“, sagt die 75-Jährige, die Professorin für Geschichte des Mittleren Ostens an der Universität Jerusalem war. Überrascht war Höxter, als sie von den Stolpersteinen erfuhr.

Erinnern an Werner Höxter: Dieser Stolperstein ist in Treysa verlegt worden.

„Mich hat niemand benachrichtigt“, sagt sie. „Damals hat keiner der Gruppe gewusst, dass es sie gibt“, verdeutlicht Lindenthal. Als problematisch beschreibt er insbesondere eine Inschrift. Der Stein für Werner Höxter trägt zwar die Information, dass er flüchtete, nicht aber, dass er 1975 in der Schweiz verstorben ist. „Auf dem Stein steht das Wort Schicksal und dahinter drei Fragezeichen“, erklärt Miriam Höxter.

„Ich möchte, dass die richtige Information darauf steht.“ Bernd Lindenthal erklärt dazu: „Der Künstler hat von der Schülergruppe exakt diese Information auch bekommen, sie jedoch eigenmächtig verändert.“ Die Initiative ging damals von Zwölftklässlern des Leistungskurses Geschichte am Schwalmgymnasiums aus. Er ärgere sich darüber, weil es doch schlimm genug gewesen sei, wenn eine junger Mann seine Heimat verlassen musste, seine Eltern verloren habe und in einem unterentwickelten Land neu habe anfangen müssen.

Miriam Höxter überlegt: „Vielleicht waren die Steine tatsächlich zunächst ausschließlich für Tote des Holocausts gedacht und die Variante der Flucht hat er erst später hinzu genommen.“ Lindenthal und Höxter werden Kontakt zu Demnig aufnehmen: „Ich möchte unbedingt, dass es geändert wird“, sagt die 75-Jährige. Miriam Höxter hat Bernd Lindenthal versprochen, einen Beitrag zur Familiengeschichte zu verfassen. Denn aktuell entsteht ein vierter Band in der Reihe „Heimatvertriebene Nachbarn“.

Von Sandra Rose

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