Mitleiden, aber nicht ohne Distanz

Neukirchenerin war mehr als 40 Jahre Bestatterin

Ute Merz: Nach mehr als 40 Jahren zieht sich aus dem Beruf zurück. Die Beschäftigung mit dem Tod hat sie viel gelehrt, vor allem Gelassenheit. Foto: Rose 
+
Ute Merz: Nach mehr als 40 Jahren zieht sich aus dem Beruf zurück. Die Beschäftigung mit dem Tod hat sie viel gelehrt, vor allem Gelassenheit.

Ute Merz sagt über ihren Beruf: „Er hat mir einfach viel Spaß gemacht." Das klingt vielleicht für den einen oder anderen ein wenig komisch - denn die Neukirchenerin ist Bestatterin.

Doch wer sich ein wenig länger mit der lebhaften Frau mit den charmanten Lachfältchen um die Augen unterhält, der merkt schnell, was gemeint ist. „Ich bekomme ganz viel von den Kunden zurück. Dankbarkeit, Wertschätzung, einen netten Brief.“ Seit den 70er Jahren arbeitet Ute Merz im Bestattungswesen. Jetzt, mit 70 Jahren, gibt sie den Betrieb in der Familie weiter: an Andrea und Jochen Merz aus Treysa. „Sie werden alles in meinem Sinne weitermachen wie es die Neukirchener gewohnt sind“, erklärt sie.

Dass es ihr einmal schwer fallen würde, die Aufgaben weiter zu geben, das hätte Ute Merz selbst nicht gedacht. „Anfangs wollte ich mit den Verstorbenen nichts zu tun haben.“ Sie habe wohl mitgearbeitet - ihr Mann lenkte die Geschicke einer Möbelschreinerei mit Laden sowie einer Türenfabrik - sich aber fast ausschließlich um die Angehörigen gekümmert. „Ich bin irgendwann in alle Bereiche reingewachsen.“

Für die gelernte Apothekenhelferin war das Einsargen zunächst „Männersache“. „Wenn früher gestorben wurde, ging man zum Schreiner. Reine Bestatter gab es damals noch nicht.“ Mit den Jahren habe sie immer mehr Aufgaben übernommen, habe gelernt, mitzuleiden, „aber mit professioneller Distanz“.

Natürlich sei nicht jeder Trauerfall gleich: „Wenn Kinder oder junge Leute sterben, geht einem das immer nahe.“

Während früher viele Abläufe ähnlich waren, lege man heute viel Wert auf eine individuelle Trauerfeier: „Wir haben schon im Fan-Anzug beerdigt oder eine Schalke-Urne gestaltet“, erzählt sie. „Die Gestaltung ist für die Angehörigen ein wichtiger Weg zur Trauerbewältigung“, weiß die Bestatterin.

Viel gelernt habe sie in all den Jahrzehnten auch über die Bestattungskultur in manchen Dörfern. „Das kann innerhalb weniger Kilometer sehr unterschiedlich sein.“ In Riebelsdorf etwa gehe die Trauergemeinde zunächst zur Friedhofskapelle, später noch zur Kirche.

So individuell wie Ablauf und Gestaltung, so seien auch die Menschen: „Man braucht für den Beruf Toleranz, Menschenkenntnis und auch ein bisschen Lebenserfahrung“, ist Ute Merz überzeugt.

Mit den Jahren habe sich auch die eigene Einstellung zum Leben und zum Tod geändert: „Der Tod gehört zum Leben. Daraus ergibt sich aber auch, dass man sich zu Lebzeiten nicht über jeden Kleinkram aufregen sollte.“ Wichtig findet Ute Merz, dass sich auch Junge mit dem Thema beschäftigten: „Meine Enkeltochter hat gesagt, sie wolle eigentlich keine Bestatterin werden. Aber man kriege doch immer schöne Blumensträuße und Ahle Wurscht geschenkt und sie wolle es sich deshalb nochmal überlegen.“

Ute Merz ist ehrlich im Umgang mit dem Tod: „Ich bin im Kirchenvorstand und lade regelmäßig Konfirmanden in den Betrieb ein.“ Am 1. Januar hat sie den Betrieb nun in jüngere Hände gegeben. „Beim Alten“ werde aber die Telefonnummer und der Service bleiben, und natürlich der Name.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.