Schwälmer Mundarttheater 

Mittendrin im Schwälmer Dorfleben

Beste Unterhaltung in Tracht und Mundart: Der Theaterabend der Theatergruppe der Sängerchöre Zella begeisterte am Wochenende einmal mehr das Publikum.

Zella. Mitten hinein in die Abenteuer des Lebens führten die zwei Schwälmer Theaterstücke das Publikum am Samstagabend im Gasthaus Bechtel in Zella.

Schon der Titel des ersten Stückes - „Bär sill da blus de Vodder seng?“ (frei übersetzt: „Wer wird wohl der Vater sein?“) - versprach einen intimen Einblick in die Vorstellungen von Ehre, Anstand und ehelicher Treue in der Schwalm.

Zum Inhalt: Die junge Amerikanerin Miss Miller, gespielt von Lisa Steinbrecher, mietet sich im gutbürgerlichen Gasthof in Zella ein. Sie erzählt ihrem Vermieter Heinrich (Martin Kürschner), sie sei auf der Suche nach ihrem Vater. Der Wirt ist kritisch, ob sich der Vater nach 26 Jahren noch meldet. Gemeinsam mit seinem Knecht Kunrod (Oliver Völker) und den Bauern Wilhelm (Wilhelm Hahn) und Paul (Thomas Pfalzgraf) berechnet er die ausstehenden Alimente. Außerdem würden die Ehefrauen auf einen bekannt werdenden Seitensprung fuchsteufelswild reagieren, wissen sie. Die Frauen Mattlejs (Katrin Kyrez), Lische (Katrin Wirtz) und Mariekott (Reinhilde Pfeil) fordern vehement die Treuebekenntnisse ihrer Männer ein. Als das Dorf erfährt, dass die junge Amerikanerin nicht nur berühmt, sondern auch steinreich ist, wollen plötzlich alle Männer der Vater sein. Wie die Geschichte ausgeht, wird hier nicht verraten, denn am folgenden Wochenende sind noch drei - bereits ausverkaufte - Vorstellungen.

Die Schauspieler spielten mit Engagement und Charme und verkörperten ihre Rollen sehr überzeugend. Nach wenigen Minuten hatten sich die rund 320 Gäste in die Schwälmer Mundart eingehört. Schallendes Gelächter war der Beweis dafür. Die Schwälmer Trachten und das mit vielen Details liebevoll gestaltete Bühnenbild vermittelte das Gefühl, mittendrin im Schwälmer Dorfleben zu sein.

Im zweiten Theaterstück „Dä Schoss gong nach henge lus“ (frei übersetzt: „Der Schuss ging nach hinten los“) entführten die Darsteller das Publikum in die Dorfpraxis des zugereisten Arztes Dr. Schröder, gespielt von Kurt Bechtel. Der Arzt hat das Herz am rechten Fleck und behandelt seine Patienten, wie er es für richtig hält. Er kümmert sich liebevoll um den verletzten Karl (Louis Wirtz) und fährt dessen Schwester Mariche (Laura Schwalm) ins Krankenhaus nach Marburg. Dem verwahrlosten Bast (Johannes Bechtel) verordnet er eine Badekur in seiner eigenen Wanne. Der Doktor findet eine wirksame Therapie für den von der vielen Hausarbeit gestressten Hein (Walter Friedrich) und auch seine putzwütige Haushälterin Lisbeth (Christel Schwalm) weiß er zu nehmen. Doch die jeden Tag in der Praxis auftauchende Annels (Viola John-Gies) und Heins Ehefrau Barwelejs (Anneliese Ohnesorge) schmieden eine Intrige gegen ihn. Als der Mann von der Krankenkasse (Christian Tschepa) auftaucht, scheint der Plan der Frauen aufzugehen. Mit Blick auf die nächsten Vorstellungen wird nicht mehr verraten, außer dass es viel zu lachen gibt, die Schauspieler ihre Rollen fantastisch ausfüllen und das Bühnenbild perfekt ist.

Das Publikum spendete beiden Ensembles begeistert Applaus. (zcd)

Mitten im Schwälmer Alltag

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