Pokémon Go im Schwalm-Eder-Kreis: Monster lösen einen Hype aus

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Das Handy immer im Blick: von links Jennifer (22), Lea (21) und Jonas (20), die in Treysa Soziale Arbeit studieren und der Sucht von Pokémon Go bereits verfallen sind.

Treysa. Die katholische Kirche Schrecksbach hat seit drei Tagen Zulauf bekommen. Auch in Treysa bei der Hephata Diakonie bewegt sich einiges.

Und für viele Schüler gerieten die anstehenden Ferien gestern zur Nebensache. Der Grund heißt Pokémon Go. Die neue App, die seit Mittwoch offiziell in Deutschland erhältlich ist, hat für einen Hype gesorgt. „Der Suchtfaktor ist riesengroß. Zudem kam das Spiel zur perfekten Zeit auf den Markt“, bestätigen Jennifer (22), Lea (21) und Jonas (20), die in Treysa Soziale Arbeit studieren.

„Ich war von Anfang an heiß auf die App, weil man nicht zu Hause, sondern draußen unter Menschen spielt“, sagt Jennifer, die aus Ziegenhain stammt. Dass Pokémon kostenlos ist, sei ein weiteres Plus. Zehn Euro wäre ihr der Spaß wert. Die zusätzlichen Angebote interessieren weniger. 100 Münzen, um schneller aufzusteigen, kosten 99 Cent. Für deren 14 500 sind satte 99,99 Euro fällig.

Pokémon Taubsi

Um ein „Monster“ zu fangen, braucht es Pokébälle. Diese kann man sich erlaufen. 20 Stück gibt es aber auch für einen Euro. „Viele sind zufaul zum Laufen und fahren die Strecken mit dem Auto“, weiß Jonas. Just in dem Moment vibriert sein Smartphone: Ein Pokémon ist ganz nahe. Um es mit den Ball zu fangen, muss er geschickt über das Display streichen - das klappt im ersten Versuch. Jetzt gehört „Zubat“, eine Art Fledermaus, zu seinen Errungenschaften.

Das Gelände der Hephata Hephata, wo er am Freitag ebenso wie Jennifer und Lea seine letzte Prüfung vor den Semesterferien hatte, ist wie die katholische Kirche Schrecksbach eine Arena. Also ein Bereich, an dem es besonders viele Taschen-Monster gibt. Wer alle davon fängt, kann die Arena besitzen und muss anschließend versuchen, sie zu verteidigen. Doch das ist längst nicht alles.

Am Donnerstag wurden Lea und ihre Mitbewohnerin um 23.30 Uhr nochmal aktiv. Jemand hatte in unmittelbarer Nähe einen Lock-Punkt gesetzt. Der ermöglicht den Spielern, in dieser Gegend besonders viele Kreaturen zu erhaschen. 30 Freunde der App hätten sich an der Aktion beteiligt. Es gilt: Immer und überall können sich Menschentrauben bilden, in denen Handys der Mittelpunkt sind.

Pokémon Rihorn

Die App hat das Alltagsverhalten der drei Studenten schon verändert. „Normal lasse ich mich zu Hause abholen, wenn ich zur Uni muss.Heute bin ich freiwillig 1,7 Kilometer gelaufen, um ein paar Level aufzusteigen“, sagt Jonas und lacht. Bislang hat er seine Umwelt im Griff. Bei einer Freundin von Lea wäre es vorgestern allerdings fast schief gegangen, „weil sie beinahe vor eine Laterne gelaufen wäre“.

Ein großer Nachteil der Monsterjagd ist, dass auf dem Display das Umfeld zwar dank GPS-Übertragung punktgenau übermittelt wird, jedoch keine Autos oder Straßenbahnen zu erkennen sind. Zudem verleitet es Süchtige, während der Fahrt zu zocken. In New York ist etwa schon ein Mann mit seinem Fahrzeug vor einen Baum gefahren.

Und auch wenn es bei Facebook erste Gruppen für Pokémon Go gibt, so sind längst nicht alle Schwälmer Jugendlichen von Rihorn, Taubsi und Co. begeistert. „Mir ist es zu blöd, mit dem Handy durch die Gegend zu laufen und Monster zu jagen“, sagt Janik (17), der ebenso wie seine Kumpel Janne (17) und Batu (18) lieber im Verein Fußball spielt. „Es fehlt noch, dass sich jemand so anzieht wie die Figuren im Spiel“, sagt Batu und sieht zu, dass er die Arena schnell wieder verlässt.

Wir erklären die ersten Schritte mit der App im Video

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