Hausverwalterin ist entsetzt

Friedhof der Vogelspinnen: Mieter ließen 40 Tiere zurück

Mehr als 20 große und kleine Terrarien: Hausverwalterin Erika Prinz fand in Haus in Oberaula die leblosen Tiere. Ob eine der Vogelspinnen überlebt hat, wird derzeit untersucht. Foto: Löwenberger

Oberaula. Einen grausigen Fund machte eine Hausverwalterin in einem großen, verlassenen Bungalow in Oberaula: 40 zum Teil mumifizierte Vogelspinnen.

An der Zimmertür klebt ein Zettel mit der Aufschrift: „Achtung Vogelspinnen.“ Was sich dahinter verbirgt, hatte Hausverwalterin Erika Prinz noch nie gesehen. Die Mieter des Hauses in Oberaula hatten nach ihrem Auszug im Dezember 20 Terrarien voller Vogelspinnen hinterlassen. Erika Prinz aus Niedergrenzebach ist entsetzt: „Das kann man doch mit den Tieren nicht machen.“

Seit Ende des Jahres stand der 320 Quadratmeter große Bungalow im Wallmersberger Weg leer. Das Mieterpaar hatte sich aus dem Staub gemacht. Nachdem die Mietschulden innerhalb von zwei Jahren auf über 20 000 Euro angewachsen waren, hatte die Hausverwalterin den Mietvertrag für das in Privatbesitz befindliche Anwesen gekündigt. Vom Auszug des Paares mit drei Kindern erfuhr Prinz aus der Nachbarschaft.

Zu einer Wohnungsübergabe kam es nie, Schlüssel haben die Mieter nicht zurück gegeben. Kürzlich ließ Erika Prinz also das Haus öffnen. Im Inneren erwartete sie Chaos und Verwüstung: Dreck, leere Flaschen, Hundekot und sonstiger Unrat. Teppiche, Kücheneinrichtung, eine teure Standuhr waren verschwunden - dafür waren die Spinnen da.

Video aus dem Archiv: Angst vor Spinnen überwinden

Nun holte sich Erika Prinz Unterstützung vom Veterinäramt in Homberg, gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Behörde kehrte sie in den Bungalow zurück. In den 20 Terrarien unterschiedlicher Größe, die unter Papieren und Kartons verborgen waren, befanden sich geschätzte 40 Spinnen. Der Mitarbeiter für Tierschutz beim Landkreis leuchtete hinein in die Glaskästen, klopfte mit der Lampe an die Scheiben - doch keine Bewegung, es bot sich nur ein Trauerspiel, ein Friedhof der Vogelspinnen. „Das ist eine traurige Geschichte“, sagt Erika Prinz.

Einzelne Exemplare der handtellergroßen Spinnen seien bereits mumifiziert gewesen, andere hatten sich in die Erde eingegraben. Auch in den Brutkästen für den Spinnennachwuchs habe sich kein Leben mehr gezeigt.

Der Amtsveterinär hat einzelne Spinnen zur Untersuchung mitgenommen, ob alle verendet sind, lässt sich noch nicht sagen. Es sei auch möglich, dass sie sich in Winterstarre befinden.

Aus dem Veterinäramt war am Dienstag noch keine Aussage über die Art, den Zustand oder die Todesursache der Tiere zu bekommen. Die Hausverwalterin will die Ex-Mieter nun anzeigen, dabei wird neben dem Tierschutz auch Mietbetrug eine Rolle spielen.

 Von Bernd Löwenberger

und Claudia Schittelkopp

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