Dr. Herbert Burris (94) und Frau Ruth (91) feiern Gnadenhochzeit

Mit offener Kutsche durch zerstörte Stadt

Der Beginn ihrer Liebe war von Kriegswirren, Angst und Sorgen geprägt: Dr. Herbert Burris (94) und seine Frau Ruth (91).

Neukirchen. Am Pfingstsamstag 1943 begegneten sich Herbert Burris und seine spätere Frau Ruth zufällig im Seltersweg in Gießen. Die jungen Leuten kannten sich bereits, hatten sich aber Jahre nicht gesehen: „Er lud mich zu einem Glas Sprudel ins Lämmchen ein, und wir tauschten erst einmal unsere persönlichen Erlebnisse aus“, schreibt Ruth Burris in ihren Erinnerungen, die sie im 80. Lebensjahr für ihre Familie verfasste.

Heute ist Ruth Burris 91 Jahre alt, ihr Mann Herbert 94: Beide feiern heute im Pflegeheim Sankt Martin in Neukirchen das Fest der Gnadenhochzeit. Dabei war der Beginn ihrer Liebe von Kriegswirren, Angst und Sorgen geprägt. Nur an den Wochenenden trafen sich der Medizinstudent und die angehende Krankengymnastin: „Wir paddelten auf der Lahn, radelten in der Wetterau. Leider ging die schöne Zeit schnell vorbei. Herbert musste - inzwischen Feldunterarzt - nach Trimesterende nach Russland zurück, dieses Mal in Kriegslazarette im Mittelabschnitt der Ostfront“, schreibt Ruth Burris. Am Silvestertag 1946 heiratete das Paar: „Wir Hochzeitler wurden mit einer offenen Kutsche am Haus in der Ludwigsstraße abgeholt und durch die zerstörte Stadt gefahren, die mit einem „Zuckerguss“ von Schnee und Eis in der strahlenden Sonne einen neuen Glanz bekommen hatte.“ Die Menschen in der Stadt freuten sich, etwas so Erfreuliches zu sehen: Sie blieben stehen und winkten den Frischvermählten. Burris richteten ihr erstes kleines Heim in Ruths Elternwohnung ein.

In die Heimatstadt

Herbert Burris sah die größten Chancen, eine Medizinalpraktikantenstelle am Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hemer zu bekommen, wo sich sein Vater an verschiedenen Stellen für seinen Sohn einsetzte. Doch alle Mühe war vergebens - schließlich bekam er in Gießen eine Assistentenstelle im Bereich Innere Medizin. 1947 freute sich das Paar über die erste Tochter, eine weitere wurde 1948 geboren. Das dritte Mädchen kam 1953 zur Welt. In Hemer, Herberts Geburtsort, ergab sich für den Arzt die Möglichkeit, eine Praxis zu übernehmen. Seine Frau Ruth arbeitete während der Familienzeit regelmäßig in der Praxis als Sprechstundenhilfe mit.

Mit Eintritt in den Ruhestand 1986 zogen Burris aus dem eigenen Haus in eine Eigentumswohnung, ebenfalls in Hemer, um und wohnten dort ganz eigenständig bis ins sehr hohe Alter von über 90 Jahren.

Seit 1. November 2014 leben Herbert und Ruth Burris nun in Neukirchen – in unmittelbarer Nähe zur Tochter, der früheren Schulleiterin der Melanchthon-Schule Christel Ruth Kaiser. Im Knüll hat sich das Paar gut eingelebt. Und beide erfreuen sich von Herzen an der stets wachsenden Familie: Burris sind stolz auf acht Enkel und vier Urenkel, das fünfte ist gerade unterwegs. Heute wird es den Jubilaren zu Ehren einen Empfang geben, wo gemeinsam auf 70 glückliche Ehejahre angestoßen werden soll. 

Von Sandra Rose

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