Mittäter bekamen geringere Strafen

Rechtsradikaler Übergriff: Haft für 21-Jährigen

Rechtsradikaler Übergriff: Verhandlung dauerte 10 Stunden

Schwalmstadt. Nach gut zehnstündiger Verhandliung sind am Mittwochabend drei Männer wegen schwerer Körperverletzung verurteilt worden. Die drei werden der rechtsradikalen Gruppe Freie Kräfte Schwalm-Eder zugerechnet.

Die Angeklagten wurden gegen 19.30 Uhr am Mittwochabend für schuldig befunden. Der Richter verurteilte einen 21-jährigen Schwalmstädter zu einer Haftstrafe von einem Jahr ohne Bewährung.

Der Mitangeklagte - ein 17-jähriger Schwalmstädter- wurde zu drei Wochen Dauerarrest verurteilt. Hier wurde Jugendstraffrecht angewendet.

Auch beim dritten Mitangeklagten wendete der Richter das Jugendstrafrecht an: Der 20-Jährige aus Willingshausen wurde zu einem Jahr Vorbewährungszeit veurteilt. Wenn er sich nicht bewährt, kommt er ins Gefängnis.

Die Anklage

Die drei Männer waren wegen mehrerer schwerer Delikte angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, einen 30-jährigen Frankfurter serbischer Herkunft so schwer geschlagen zu haben, dass er vier Wochen lang nicht arbeitsfähig war.

Der 30-Jährige trat als Nebenkläger auf. Er hatte im Frühjahr während eines Besuchs in Schwalmstadt das Lokal „Die Wache“ in Treysa besucht.

In der engen Toilette im Untergeschoss war es zu der brutalen Schlägerei gekommen. „Hier sind ja alle Opfer“, kommentierte der Richter, nachdem über den gesamten Vormittag ein knappes Dutzend Zeugen gehört worden war: Teilweise standen  Aussagen  gegen Aussagen. Der 21-jährige Angeklagte bestritt, überhaupt beteiligt gewesen zu sein.

Er war in Handschellen vorgeführt worden, da er bereits wegen anderer Vergehen in Untersuchungshaft sitzt. Mehrfach wurde der junge Mann  in der Vergangenheit bereits wegen brutaler Übergriffe verurteilt.

Der 17-jährige Schwalmstädter mit rasierter Glatze und rotem T-Shirt gab in der Verhandlung an, die Aggression sei nicht von ihm ausgegangen, vielemehr habe der Frankfurter angefangen.

Ein Zeuge der Prügelei sagte aus, er sei im Vorfeld des Prozesses in einem Chatroom - Gesprächsplattform im Internet-  eingeschüchtert worden. Ihm seien schlimme Konsequenzen angedroht worden für den Fall, dass „er nicht das Richtige aussagt“.

Nicht alle Zeugen hatten die Tat unmittelbar beobachten können - zumindest waren dies ihre Aussagen. Sie seien erst später hinzugekommen.

Polizisten waren vor Ort

Vor der Tür des Lokals hatten in der Tatnacht im März Polizisten gewartet, die extra  zur Überwachung der „Freien Kräfte“ abgestellt worden waren.

Verschiedene Anklagepunkte

Nach der Mittagspause wurde der Prozess fortgesetzt, nun wegen eines weiteren Übergriffs auf Gäste des Lokals „Bunker“ in Treysa.

Zwei der drei  Männer waren der schweren Körperverletzung angeklagt. Sechs Zeugen wurden den ganzen Nachmittag über gehört, gegen 16.30 Uhr begann der Staatsanwalt mit seinem Plädoyer.

Von Sylke Grede

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