Rechter gibt sich geläutert

Marburg/ Schwalmstadt. In Handschellen wurde ein 22-jähriger aus Schwalmstadt zu seiner Berufungsverhandlung vor dem Marburger Landgericht vorgeführt. Als freier Mann durfte der Schwalmstädter, welcher der rechtsradikalen Gruppe „Freie Kräfte Schwalm-Eder" zugerechnet wird, den Gerichtssaal verlassen.

Zuvor hatte Richter Dr. Carsten Paul den gegen ihn im März diesen Jahres erlassenen Haftbefehl aufgehoben.

Acht Monate hat der gelernte Maler und Lackierer in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Gießen verbracht. Schon mehrfach war der Mann in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt geraten und deswegen auch verurteilt worden. Hier eine kurze Chronologie:

• Am 2. September vergangen Jahres hatte ihn das Amtsgericht Schwalmstadt wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung und Unterschlagung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.

• Am 20. Januar diesen Jahres hatte ihn ebenfalls das Amtsgericht in Schwalmstadt wegen Beleidigung und Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von weiteren vier Monaten verurteilt.

Schläge in der Toilette

• Am 27. Februar diesen Jahres war er erneut straffällig geworden. Gemeinsam mit zwei anderen jungen Männern hatte er offensichtlich aus ausländerfeindlichen Motiven heraus in einer Gaststätte in der Treysaer Altstadt einen 30-jährigen Serben auf der Toilette geschlagen und getreten.

In Folge dieser Körperverletzung wurde der Schwalmstädter als Untersuchungshäftling in die JVA Gießen verbracht.

• Im Juni diesen Jahres war er wegen dieser Tat zu einem weiteren Jahr Gefängnis verurteilt worden. Gegen die Höhe des Strafmaßes von zwei Jahren und 10 Monaten Gefängnis ohne Bewährung hatte der Mann Berufung eingelegt.

Bei seiner gestrigen Prozess räumte der Angeklagte, der in der vorherigen Verhandlungen keine Einsicht gezeigt hatte, alle ihm zur Last gelegten Taten ein.

„In der Gemeinschaft mit anderen lässt man sich häufig mitreißen. Es tut mir relativ leid“, beteuerte er. Da er bei allen Taten, für die er verurteilt worden war, unter Alkoholeinfluss gestanden hatte, kündigte er an zukünftig keinen Alkohol mehr zu trinken und sich einer Suchtberatung zu unterziehen. Dem geschädigten Serben kündigte er einen finanziellen Schadenersatz an.

„Seit der Verhandlung im Juni in Schwalmstadt haben Sie ihr Verhalten und ihre Einstellung verändert. Eine Umkehr ist deutlich erkennbar“, stellte der Staatsanwalt fest und beantragte in seinem Plädoyer deshalb eine zweijährige Gesamtsfreiheitsstrafe, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

„Es tut mir relativ Leid.“

Auch auf Grund der günstigen Sozialprognose der Jugendgerichtshilfe schloss sich das Gericht dem Antrag an. Zusätzlich muss der junge Mann 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, sich einem Antiaggressionstraining unterziehen, an einer Suchtberatung teilnehmen und 800 Euro an den Geschädigten zahlen.

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