Anita und Uwe Koril wollen mit dem Caféhaus noch einmal angreifen

Der Ruhestand muss warten: Zwei 70-Jährige leiten das Altstadtcafé in Neukirchen

+
Hatten das Café ursprünglich vor zwei Jahren abgegeben: Jetzt bedienen Uwe und Anita Koril hier wieder ihre Gäste, wie links Klaus Raabe.

Neukirchen. Für die meisten Menschen ist spätestens mit Anfang 70 im Berufsleben Schluss. Nicht so Anita und Uwe Koril.

Statt den Lebensabend zu genießen, haben sich die Neukirchner noch einmal in die Selbstständigkeit gestürzt. Seit Mitte Oktober betreiben die beiden 70-Jährigen das Altstadtcafé in der Knüllstadt. 

Gänzlich neu ist den Korils das Geschäft nicht. Von 1991 bis 2014 leitete das Ehepaar schon einmal das Caféhaus in der Kirchgasse. Auch davor waren die beiden im Hotel- und Gaststättengewerbe tätig. „Als sich vor einigen Jahren eine junge Frau als Nachfolgerin anbot, haben wir gedacht: Die Gelegenheit für den Ruhestand ist günstig, wer weiß, wann wieder einmal jemand kommt,“ erzählt die gelernte Hotelfachfrau Anita Koril.

Es drohte der Leerstand

Ihre Nachfolgerin setzte auf ein neues Konzept und machte aus dem Café eine rustikale Kneipe. Als sie sich nach drei Jahren beruflich neu orientierte, drohte der Leerstand. Es seien zwar Interessenten da gewesen, aber die Vermieterin habe keinen Kneipenbetrieb mehr gewollt: „Da habe ich meinen Mann spontan gefragt: Wollen wir noch einmal angreifen?“, erzählt Koril.

Als die Kinder von der Idee ihrer Eltern hörten, schütteln sie zunächst den Kopf. „Die haben gesagt, wir spinnen“, erinnert sich die 70-Jährige. Gemeinsam mit einer Tochter und Helfern sie das Café in nur vier Wochen auf Vordermann. „Hätten wir uns nicht für die Übernahme entschieden, dann würden die Räume wohl leer stehen. Vielleicht wären Wohnungen entstanden“, sagt Koril.

Der Betrieb eines Cafés habe ihnen schon immer Spaß gemacht. „Mein Mann backt gerne Kuchen und die Leute freuen sich, dass wir wieder da sind“, sagt die 70-Jährige. Über ihr Alter sind sich die beiden dabei völlig im Klaren. Sollte einer ernsthaft krank werden und ausfallen, sei sofort Schluss: „Wenn wir aber gesund bleiben, dann machen wir es vorneweg bis 75.“

„Hätten wir uns nicht für die Übernahme entschieden, dann würden die Räume wohl leer stehen. Vielleicht wären Wohnungen entstanden.“

Er finde das Engagement und den unternehmerischen Mut klasse, sagt Stammgast Klaus Raabe: „Ein bisschen verrückt muss man aber schon sein. Man ist ja keine Achtzehn mehr.“ Auch wenn sie wieder mit beiden Beinen im Beruf stehen und fast jeden Abend auf einen Achtstundentag zurückblicken können - Anita und Uwe Koril wirken zufrieden. Beide sind ein eingespieltes Team. Während ihr Mann wie früher in der Küche steht und backt, bedient sie die Gäste. „Als am Sonntag das Café bis zum letzten Platz gefüllt war, sind wir schon an unsere Grenzen gestoßen,“ freut sich die 70-Jährige über den Zuspruch der Neukirchner.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.