Um die Grabstätte Kellers Ruh ranken sich viele Geschichten

Johannes Bernhardt

Schrecksbach. Vergessene Orte, Geschichte und Geschichten aus der Schwalm wollen wir Ihnen vorstellen. Diesmal geht es um die Grabstätte Kellers Ruh am Ortsrand von Schrecksbach.

An einem kleinen Waldstück am Ortsrand von Schrecksbach fällt die gepflegte Grabstätte mit dem Namen Kellers Ruh sofort ins Auge. Dort ruht Eckhard Keller, ein Schrecksbacher Jung, der am 1. Oktober 1885 verstarb. Doch wer war eigentlich dieser Eckhard Keller?

Die Kenntnisse über Eckhard Keller stützen sich in erster Linie auf Überlieferungen alter Mitbürger sowie auf wenige Hinweise, die aus Standesamt- und Kirchenbüchern hervorgehen. Einer der wenigen, die mit der Lebensgeschichte Eckhard Kellers vertraut sind, ist der Schrecksbacher Johannes Bernhardt.

Seinen Kenntnissen zufolge wurde Eckhard Keller am 3. Juni 1818 in Schrecksbach geboren. Seine Eltern waren der Landbauer Johann Georg Keller und dessen Ehefrau Anna Maria geb. Michel. „Das Kellersche Gut stand in der Neukircher Straße, gegenüber des heutigen Dorfgemeinschaftshauses“, erzählt Bernhardt im Gespräch mit der HNA. Im Zuge der Dorferneuerung in Schrecksbach wurde der Gutshof während der 1960er-Jahre in die Kasseler Straße umgesiedelt. Heute wird er allerdings nicht mehr als solcher betrieben.

Bereits als junger Mann wanderte Keller aus. Über sein Leben in der Fremde ist leider nur wenig bekannt. Laut Bernhardt ging Keller damals zunächst in die USA. In England soll er später seine Frau Henriette geb. Jordan geheiratet haben. Aus dieser Ehe ging auch Eckhard Kellers Sohn Hermann hervor.

„Auf seine alten Tage ist Eckhard Keller auch immer mal wieder zu Besuch nach Schrecksbach gekommen. Dann hat er in der Losemühle Quartier bezogen“, berichtet Bernhardt. In Schrecksbach war Keller immer gern gesehen, denn auf seinen Heimatreisen hatte Keller auch häufig viel Kakao im Gepäck, was für die Dorfbevölkerung damals noch etwas äußerst Besonderes war.

Abschluss an Freimaurer

Über Kellers Zeit im Ausland wird gemunkelt, dass er sich der Freimaurerbewegung anschloss. „Das würde auch erklären, warum Eckhard Keller später ohne kirchlichen Segen beerdigt wurde“, vermutet Bernhardt. Auch findet man auf dem Grabmal weder Kreuz noch Psalm oder Bibelspruch.

Aus den Unterlagen des Standesamtes geht hervor, dass der Sohn Hermann am 1. Oktober 1885 den Tod seines Vaters anzeigte. Als letzten Wohnsitz gab er London, Calimont Road, Forst Gate 71 an. Im Dorf wurde erzählt, Keller habe sich gewünscht, im Schrecksbacher Wald unter einer Buche begraben zu werden. Der Platz dafür wurde von seinem Sohn für 25 Goldmark erworben.

Die Eigentumsverhältnisse um die Grabstätte sind ungeklärt. Bis 1914 sei für die Pflege der Grabstätte Geld von Nachfahren aus London geflossen. Seither hat der Wanderverein die Betreuung und Pflege übernommen, deren Vorsitzender Eckhard Keller einst war.

Von Daniel Göbel

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