Adolf Lauscher ist der einzige „Grüne Herr“ in Schwalmstadt

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Gruppenbild mit Herren: (von links) August Schmidt, Adolf Lauscher und Joachim von Bendemann spielen gern Skat. Lauscher (74) ist der einzige Grüne Herr in Schwalmstadt.

Schwalmstadt. Es geht um Geld. Mindestens um Haus und Hof, wenn Joachim von Bendemann (84), August Schmidt (85) und Adolf Lauscher (74) Karten spielen. Skat - das mag die Männerrunde. Adolf Lauscher kommt seit vier Jahren als Grüner Herr ins Seniorenheim in der Breslauer Straße in Treysa. Männliche Kollegen hat er nicht.

Als Pendant der Grünen Damen ist er ziemlich allein.

„Dabei freuen sich gerade die Männer, wenn ein Mann sie besucht“, hat der Treysaer die Erfahrung gemacht. Menschen, die anderen Menschen Zeit schenken - die gibt es nach Adolf Lauschers Meinung nach zu wenig. „Ich habe, als ich selbst im Krankenhaus lag, den Besuch einer Grünen Dame namens Magdalena sehr genossen. Und mir vorgenommen, dass ich diese Aufgabe später auch wahrnehme“, sagt der pensionierte Berufsschullehrer.

Auf andere Menschen zuzugehen, das fällt dem 74-Jährigen nicht schwer. Schon vor 30 Jahren las Lauscher regelmäßig einem blinden früheren Bankdirektor aus Büchern und Zeitungen vor. „Manchmal haben wir auch einfach nur geplaudert. Und es war nie so, dass nur ich gegeben habe. Ich habe immer auch etwas zurück bekommen“, erklärt der Rentner. Gerade mit Eintritt in die Rente fallen Menschen in ein Loch, ist Lauscher überzeugt: „Besuchsdienste zu übernehmen, gibt dem Leben eine neue, sinnvolle Aufgabe.“ Ohne ehrenamtliche Tätige sei der älter werdenden Gesellschaft kein „menschliches Altern“ möglich.

Denn was fehle, sei in vielen Einrichtungen die Ansprache: „Verwandte wohnen weit weg. Manche bekommen fast nie Besuch“, hat Lauscher beobachtet. Wichtig sei, Denkanstöße zu schaffen - das gehe auch, wenn von früher erzählt würde. „Wer redet, muss sich konzentrieren“, sagt der Grüne Herr. Lauscher plaudert und erzählt nicht nur, er ist auch da, hört zu, wenn Menschen traurig sind oder Sorgen haben: „Ich schenke ihnen ein offenes Ohr. Und werde dafür mit viel Zuneigung beschenkt.“

Nicht nur ein Ohr, auch ein Händchen scheint Adolf Lauscher für Andere zu haben. 15 Jahre lang engagierte er sich in der Suchtkrankenhilfe und in der Betreuung von Aussiedlern, aktuell ist er Schiedsmann. Empfehlenswert findet er eine Idee aus Kassel: „Ich finde es gut, wenn sich fitte Alte um weniger fitte kümmern.“

Berührungsängste hat Adolf Lauscher nicht: „Es werden aber auch regelmäßig Fortbildungen angeboten, in denen Ehrenamtliche im Umgang mit Menschen geschult werden“, sagt er. Für Schwalmstadt wünscht sich der Rentner dringend Verstärkung. „Wir brauchen Grüne Herren. Man braucht nichts außer Mut und ein wenig Zeit“, sagt Adolf Lauscher. August Schmidt und Joachim von Bendemann freuen sich jedenfalls auf die wöchentlichen Besuche: „Die Karten liegen dann immer schon gemischt auf dem Tisch bereit.“

Von Sandra Rose 

Kontakt: Gisela Hampel, Tel. 05684/251 991 0.

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