Arabisch als Dankeschön: Asylbewerber in Ziegenhain geben Nachhilfe in ihrer Sprache

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Deutsch lernen, Arabisch lehren: Ein Teil der Asylbewerber, die gerade einen 200-Stunden-Deutschkurs bei Teilhabe abschlossen, bieten Deutschen jetzt praxisbezogenen Unterricht in ihrer Sprache an. Unser Foto zeigt nur acht der Kursabsolventen. Die anderen wollten lieber kein Foto von sich in der Zeitung haben.

Ziegenhain. Beim Ziegenhainer Verein Teilhabe hat eine Gruppe von Flüchtlingen aus dem arabischsprachigen Raum einen Deutschkurs absolviert. Als nächstes wollen einige der Teilnehmer Deutsche ihre Sprache lehren.

„Den Teller ich habe auf den Regal gelegt.“ Silbe für Silbe hat der 23-jährige Syrer Qutaiba den Satz gebildet, Reinhard Flöder tippt ihn ein, per Beamer wird er für das gute Dutzend Teilnehmer heute an die Wand geworfen. Alle beteiligen sich, rücken die Wörter zurecht, berichtigen die Endungen und fragen sich, wie es stilistisch besser wäre. Nach kürzester Zeit steht an der Wand: „Ich habe den Teller auf das Regal gestellt.“

Nach 200 Unterrichtsstunden beim Verein Teilhabe bedeutet das für die Frauen und Männer im Schulungsraum keine große Sache mehr, zumal viele von ihnen nicht nur jeden Nachmittag hier Deutsch pauken, sondern in einem weiteren Projekt auch jeden Vormittag. Sie sind da, um so schnell wie möglich die Sprache des Landes zu lernen, wo sie, auch so schnell wie möglich, weiter studieren oder arbeiten wollen.

Jeder steuert bei, was er will und kann: Von links Teilhabe-Vorsitzender Reinhard Flöder, Dr. Adnan Yahya und der Computerexperte des Vereins, Oliver Deisenroth.

Da ist Bashir, 32 Jahre, aus Afghanistan. Oder Temesgen, auch 32, Arzt aus Eritrea. Auch Sawsan, 37, aus Syrien hat hier ihre ersten Versuche auf Deutsch mithilfe einer ABC-Fibel unternommen. Sie legt locker vor, weil sie Englischlehrerin ist. Zusammen haben sie seit vorigen Juni gelernt, was Stuhl und Gabel, Mittag und Abend, laufen und fahren bedeutet. Sie haben auch für einige Monate ein warmes Willkommen, Unterhaltung und Hilfe erfahren. Vereinsvorsitzender Reinhard Flöder: „Wir sind hier ganz bewusst so eine Art Gemischtwarenladen.“ Zusammen mit seinen rund zehn aktiven Teilhabe-Mitstreitern hilft er den Kursteilnehmern beim Ankommen in Deutschland, ob es um eine fehlgeleitete Stromrechnung, einen Behördengang oder eine fröhliche Silvesterfeier geht.

Alle sind zwar nicht bei der Stange geblieben, 32 waren im Sommer gestartet, zwei haben Arbeit gefunden. Aber eine stattliche Gruppe aus Unterkünften in Treysa und Ziegenhain kommt hier doch täglich zusammen, um locker aber konzentriert miteinander zu lernen. Unser Motto war: „Raus aus der Kaserne, hinein nach Ziegenhain“, sagt Sozialpädagoge Flöder.

Wer direkte Übersetzungshilfe benötigt, für den dolmetscht Dr. Adnan Yahya (Schwalmstadt). Der bekannte Schwälmer HNO-Arzt kann gar nicht anders, als helfen: „Ich bin ja selbst ein Flüchtling und Palästinenser, Syrien ist wie meine zweite Heimat.“ Fahrdienste, Klinikbegleitung und vieles mehr leistet er auch.

Kurs in Arabisch

Der Kurs beginnt in Ziegenhain, Junker-Hoose-Straße, am Mittwoch, 24. Februar. Eine Anmeldung ist notwendig.

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