Leben im Circus Probst: Zwischen Tigern und Trapez

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So sieht sie ja ganz niedlich aus: Raubtierdompteur Tom Dieck jr. spielt mit Tigerin Delhi. Sie ist eine von acht Tigern, die im Circus Probst zu sehen sind.

Treysa. Ja, es käme schonmal vor, dass er morgens nicht mehr wisse, in welchem Ort er gerade sei, sagt Mathys te Kiefte.

An einem nebligen Herbstmorgen führt er über den Treysaer Haaßehügel, auf dem der Circus Probst gerade gastiert und die Zelte aufschlägt. Die Tiere laufen in ihren Gehegen herum.

Am Dienstag sind sie aus Eschwege gekommen, nächste Woche geht es schon wieder nach Gießen. Te Kiefte ist Produktionsleiter beim Circus Probst, ihm gefällt dieses Leben gut, das merkt man. „Selbst am Ende der Saison geht mir hier nichts auf die Nerven. Es ist eher so, dass ich nach zwei Monaten Tour-Pause nervös werde und hoffe, dass es wieder losgeht,“ sagt der Niederländer, der seit März 2016 beim Circus Probst arbeitet. Dort kümmert er sich um Programmhefte, Internetauftritt und die Werbung.

Aus Amsterdam nach Treysa 

Der 29-Jährige studierte an der Theaterschule in Amsterdam und arbeitete vorher beim niederländischen Nationalzirkus. „Man lernt viele Orte kennen. Die Umgebung ändert sich immer, nur der Arbeitsplatz bleibt eine Konstante“, sagt er.

Ein Leben auf Achse: Mathys te Kiefte.

Der Kontakt zum Zirkus kam über Tigerdompteur Tom Dieck zustande. Der 33-Jährige ist dieses Jahr mit seinen acht Tigern mit dem Zirkus unterwegs. Seit seinem 19. Lebensjahr arbeitet er mit den Tieren, gelernt hat der inzwischen 33-Jährige den Umgang von Vater und Großvater, die dasselbe machten. Das wichtigste bei der Arbeit mit den Raubtieren: „Ich darf keine Angst zeigen. Natürlich gehe ich mit Respekt zu den Tieren, aber durch Selbstsicherheit muss ich andeuten, dass ich der Rudelführer bin“, sagt er. Seine Tiger sind zwischen sieben und 17 Jahren alt. Geprobt wird aber nicht immer: „Wenn die Nummer einmal steht, dann bleibt sie so. Dann müssen die Tiere nicht ständig trainieren.“ Für sie sei die Arbeit eine gute Beschäftigung, auch die ständig wechselnden Orte seien eine gute Ablenkung, da dies immer wieder neue Reize für die Tiere biete.

Wert auf Tierschutz

Die Tiger gehören allein Tom Dieck, der Circus Probst hat noch 80 weitere Lebewesen im Gepäck. „Es klingt abgedroschen, aber die Tiere gehören zur Familie“, sagt te Kiefte. So werden ältere Pferde, die nicht mehr auftreten können, trotzdem mit auf Tour genommen.

Für den Tierschutz ist der Zirkus Mitglied beim „Berufsverband der Tierlehrer“. An allen 40 Standorten kämen Kontrolleure und hätten Haltung und Futter für „sehr gut“ befunden, sagt te Kiefte.

Termin: Premiere in der Schwalm ist morgen, Donnerstag, ab 17 Uhr mit dem Familientag. Dann kosten Karten nur 10 Euro. Weitere Vorstellungen: Freitag und Samstag, je ab 16 und 19.30 Uhr. Sonntag ab 11 und 16 Uhr.

Hintergrund: Circus Probst - ein Familienunternehmen 

Gründer des Circus Probst ist Karl Probst. Zusammen mit seiner Frau Henriette Reuss gründete der 1877 geborene Probst Anfang des 20. Jahrhunderts den Zirkus. Insgesamt hatte Karl Probst 16 Kinder. Die Enkel Reinhard und Robert gründeten 1982 schließlich ihren eigenen Circus Probst. Nachdem sich die Brüder trennten, leiten Reinhard und dessen Frau Brigitte den Zirkus. Das Ehepaar entwickelte das Unternehmen zu einem Großzirkus und die rot-gelben Streifen des Zeltes zu einem Markenzeichen. Die Kinder des Ehepaares arbeiten ebenfalls im Zirkus. Unternehmenssitz ist Neustadt an der Weinstraße. 2016 stehen 40 deutsche Städte auf dem Tour-Programm. In diesem Jahr zu sehen sind unter anderem ein Clown aus Frankreich, Artisten aus China und Kuba sowie Reinhard Probst mit Tieren aus aller Welt und Stephanie Probst mit Pferden.

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