Zweiter Laden dicht an der Wagnergasse

Leerstand droht: Auch Elektrogeschäft schließt

Räumungsverkauf bei Euronics in der Wagnergasse: Der Nachfolger von Fernseh-Becker schließt.

Treysa. Der zweite Räumungsverkauf innerhalb weniger Wochen hat in der Treysaer Wagnergasse begonnen. Nach dem Traditionsgeschäft Lederwaren Korell wird noch dieses Jahr das Licht im Euronics-Elektrofachgeschäft ausgehen.

Beide Geschichten weisen Parallelen auf, beide alteingesessenen Läden waren vor einigen Jahren an externe Nachfolger mit schon einem oder mehreren Läden in Nordhessen weitergegeben worden, wurden also zu Filialen.

Rolf Lingenberg hatte das Ledergeschäft 1999 von Herbert Korell übernommen. Heinz Georg Becker hatte sein über 40 Jahre als „Fernseh-Becker“ bestens eingesessenes Geschäft im Frühjahr 2013 an Marco Körner (Borken) übergeben. TV-Becker hatte zu seinen besten Zeiten zwölf Mitarbeiter gehabt.

Druck durch Onlinehandel

Beide Branchen, Taschen und Koffer sowie Elektro- und Elektronikwaren, sind bekanntlich durch den Onlinehandel und Discounterangebote besonders stark unter Druck geraten.

Das ist für Engin Eroglu eine direkte Auswirkung der Subventionierung von Internetriesen wie Amazon und Zalando durch die Politik. Der Vorsitzende von G.u.T. (Gewerbe und Tourismus) sieht vor Ort nur die Lösung, die „Stadt attraktiv zu halten und zu vermarkten“. Das beklagenswerte Baustellenmanagement seit rund sechs Jahren habe die Käuferschicht von außen verprellt. Eroglu: „Ich hoffe, dass Fernseh-Becker jetzt der letzte ist, der schließt, wir müssen aufwachen.“

Ein Leerstandskataster ist nach Ansicht des G.u.T-Vorsitzenden Eroglu in der Situation überhaupt nicht hilfreich, sondern allein eine bessere Vermarktung.

Und: „Kunden sollten verstehen, was sie anrichten, wenn sie ihre Waren ein bisschen billiger online kaufen.“

Stadt sucht nach Lösungen - Neuer Bürgermeister Pinhard betroffen über das Aus

Das Aus beim TV-Becker-Nachfolger hat schnell die Runde gemacht. Es war in Treysa seit Langem das letzte Elektrofachgeschäft in der Innenstadt, einstmals hatte es hier mehrere gegeben.

„Die Nachricht hat mich betroffen gemacht“, sagte Schwalmstadts künftiger Bürgermeister Stefan Pinhard auf Anfrage der HNA, „keineswegs nur, weil ich dort meinen ersten Fernseher und meine erste Stereoanlage gekauft hatte“. Schwalmstadt wolle wieder ein „richtiges Mittelzentrum werden“, da reiße jede Aufgabe ein Loch.

Die Stadt selbst könne wenig tun neben der Gestaltung der Rahmenbedingungen. Klar sei, so Pinhard, dass das Gesamtkonzept stimmen muss, „wenn ein Mosaikstein fehlt, trifft das alle“.

Pinhard setzt in dieser Situation stark auf G.u.T., wo er selbst kraft Amtes einer der beiden Vizevorsitzenden ist. Es bedürfe genauer Analysen, bei G.u.T. müsse geklärt werden, „wie man helfen kann“. Der künftige Bürgermeister, der nach jetzigem Stand sein Amt am 1. Dezember antritt, ist in jedem Fall gegen ein „Überstülpen von Lösungen“. Seiner Meinung nach „geht es nur durch Zusammenarbeit aller“.

Erster Stadtrat Detlef Schwierzeck teilte gestern mit, dass die Stadt eine Reihe von Dinge tue, etwa eine Leerstandsdatenbank für Gewerbeflächen führt. Es gebe täglich Kontakte zu Menschen, die Flächen verschiedenster Art suchen. Die Datenbank solle auf alle Stadtteile ausgeweitet werden, es werde intensiv an einer Neuveröffentlichung sämtlicher Online-Medien gearbeitet und man sei im Gespräch mit Agenturen zur aktiven Vermarktung und Leerstandsreduzierung. Schwalmstadt wolle seine Alleinstellungsmerkmale verstärkt herausarbeiten.

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