Gottes Wort, edel gebunden

Goldschmiedemeister hat Heilig Geist-Gemeinde ein Evangeliar gestiftet

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Übergabe: Günter Neul (links) hat den schmucken Einband für das Evangeliar angefertigt und der Heilig Geist Gemeinde, rechts Pfarrer Michael Brüne, gestiftet.

Treysa. Beim sonntäglichen Messbesuch lauschen die Gläubigen in der Kirche der Heilig-Geist-Gemeinde in Treysa dem Wort Gottes: Verlesen aus dem Neuen Testament.

Das Messbuch wird Evangeliar genannt. Diese Schriftensammlung, deren Verkündigung die Aufgabe von Diakonen ist, hat nun einen besonderen Einband bekommen.

Der Goldschmied 

Angefertigt wurde die schmucke Hülle vom pensionierten Goldschmiedemeister und Berufsschullehrer Günter Neul (69) aus Schönau. Der gebürtige Essener lebt seit sechs Jahren mit seiner Frau Hannelore im Gilserberger Ortsteil. Kennen und lieben gelernt hat das Paar die Gegend vor 25 Jahren.

Seit Neuls ihren Wohnsitz verlegt haben, besuchen sie regelmäßig die Gottesdienste in Treysa und sind Teil der Gemeinde. Schon etliche Werke hat Günter Neul für das Gotteshaus angefertigt - und allesamt gestiftet.

Auch die Hülle für das Evangeliar hat er der Gemeinde geschenkt. „Ich weiß, dass sie bei Pfarrer Brüne in guten Händen ist und er der Gemeinde die Feierlichkeit einer Messe nahe bringt“, sagt der Schönauer.

Das Werk

Auf der Vorderseite sind im Uhrzeigersinn die vier Evangelisten angeordnet: Matthäus als Engel, Markus als Löwe, Johannes als Adler und Lukas als Stier. „Die ziselierten Darstellungen sind in Silber gearbeitet und mit einer Teilvergoldung versehen“, erläutert der Goldschmiedemeister. Im Zentrum steht das Kreuz, das Neul mit Elfenbeinriegeln und Bergkristallen in einer Metallplatte gefasst hat. Die Rückseite ziert eine Reihung mit Achaten, Elfenbeinknöpfe sind Auflagepunkte - zum Schutz der Steine. „Das Elfenbein stammt aus meinen Beständen, die ich vor 35 Jahren gekauft habe“, verdeutlicht der 69-Jährige.

Heute dürfe Elfenbein weder gehandelt noch verarbeitet werden. Metallelemente verstärken die Buchecken, der Buchrücken wurde mit einer verstärkten Ziselierung versehen.

„Die Trägerplatten sind mit weinrotem Leder bezogen“, erklärt der Künstler. Das Buch selbst sei bei Herder gedruckt und von der Deutschen Bischofskonferenz autorisiert worden. Entstanden ist der Einband zum Teil in Schönau, zum Teil in Neuls früherer Firma in Essen.

Die Arbeit

Etwa 200 Stunden hat der Schönauer daran gearbeitet. Mithilfe von Punzen - Stanzbeiteln - hat Günter Neul die geraden Bleche bearbeitet, unter anderem um feine Gesichtskonturen zu realisieren. Ursprünglich angefertigt wurden die Einbände im Mittelalter, „aber noch wesentlich aufwendiger“.

Neuzeitlich umgesetzt

Seine Form beschreibt Neul als neuzeitliche Umsetzung. Selten sei die Schmuckfassung in katholischen Kirchengemeinden allemal: „Hier in der Gegend kenne ich keine Gemeinde mit einem solchen Evangeliar - höchstens Fritzlar und natürlich Fulda“, sagt der Schönauer.

Günter Neul freut sich, dass sein schmuckes Werk nun in die richtigen Hände kommt: „Das verlesene Evangelium symbolisiert die Worte Gottes vor dem Hintergrund der zehn Gebote - sie sind es Wert, feierlich gestaltet zu werden.“

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