Michael Sens gastierte in der Hospitalskapelle

Kabarettist trat mit „Opus 2 - Kabarett meets Klassik“ in Treysa auf

Vereinte Dichtung und Wahrheit aus der Musikgeschichte: Michael Sens. Foto: Rose

Treysa. 50 Monate mussten die Schwälmer auf ihn warten: Schon einmal trat der Berliner Künstler und Kabarettist Michael Sens in der Treysaer Hospitalskapelle auf.

Am Samstag tat er es wieder, eingeladen abermals vom Verein „Kultur vor Ort“ „Opus 2 - Kabarett meets Klassik“ lautete das aktuelle Programm. Der Kabarettist vereinte darin Dichtung und Wahrheit aus der Musikgeschichte, mischte frech Hörenswertes aus Bachs Leben mit mancher Überzeichnung aus dem Leben Bushidos oder der Kanzlerin.

Besonders freute er sich über die räumliche Nähe zum Publikum: „Kein Wunder, dass die erste Reihe frei geblieben ist. Doch wer mich kennt, der weiß: auch die zweite ist in Griffweite.“

Und sogleich schaute sich Sens sein humoristisches Objekt der Begierde aus - der „mitgenommene Mann“. Man erkenne ihn sofort. Jenes trübe dreinblickende Wesen, dass sich viel lieber auf dem Sofa gewälzt hätte, „wo sich deine Bandscheibe in aller Gelassenheit einer Fehlstellung hingeben kann“. Hinter solchen Exemplaren lägen mindestens vier Jahre Studium für Multimedia-Fernbedienungen. Denn auf dem großen Flachbildschirmen ließen sich schließlich selbst Schwitzflecken auf den Trikots der Fußballer präzise auslesen. Wer sich allerdings ans Tageslicht wage, der müsse „etwas machen lassen“: „Ein Best-Ager-Image aufbauen.“ Ihr Image hätten zu jeder Zeit auch Künstler gepflegt. Als er selbst in Russland aufgetreten sei, habe ihm sein Nachbar empfohlen, „die Leber folkloristisch galvanisieren zu lassen“.

Neues erfuhr das Publikum über Komponisten wie Chopin und Liszt. „Chopin ist kein Twitter-Account“, schulmeisterte Sens charmant. Und Liszt? „Der hat so viel gesoffen, dass er täglich eine ordentliche Aerosol-Fahne vor sich her schob - die hätte man zum Abbeizen von Möbeln verwenden können.“

Auch Beethoven habe die „Leber in der Größe eines Saurierpansens“ gehabt. „Beethoven war nach dem übermäßigen Genuss so taub, dass er beim Komponieren dachte, er malt“, erklärte Sens, der nebenbei noch kurz erläuterte: „Cabaret ist mit oben ohne, Kabarett ist mit oben mit.“ Und warum es so viele Plagiate gibt, war dem Publikum spätestens nach einen Streifzug durch Klassik, Schlager und Pop auch klar. „Die schönen Melodien sind einfach alle“, sagte Sens schlicht. (zsr)

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