Uraufführung:

Roswitha Aulenkamp spielt anlässlich einer Literaturpreisverleihung

Ungewöhnliche Arbeit: Roswitha Aulenkamp spielt zu einer Literaturpreisverleihung eine Auftragskomposition für den Prinzen des gestürzten äthiopischen Kaiserhauses . Foto: Decker

Ziegenhain. Hochkonzentriert arbeitet die Musikerin und Komponistin Roswitha Aulenkamp an ihrem neuen Werk. Es ist fast fertig, es fehlt nur noch die Überprüfung der Taktwechsel.

Die Auftragskomposition ist für Dr. Asfa-Wossen Asserate, Prinz des gestürzten äthiopischen Kaiserhauses.

„Schon vor Jahren sagte Prinz Asserate zu mir, ich solle ihm einen Marsch komponieren“, erinnert sich Aulenkamp. Da sie aber zuvor noch nie einen Marsch komponiert habe und diese Stilrichtung für sie untypisch sei, habe sie gedacht, der Prinz wolle sie spaßeshalber provozieren.

Erst an Scherz geglaubt

Vor einigen Monaten jedoch fragte Dr. Asserate nach, ob der Marsch fertig sei. „Ich wollte von ihm wissen, für welchen Anlass er ausgerechnet einen Marsch von mir wolle“, so Aulenkamp, „ich glaubte immer noch an einen Scherz.“ Doch Prinz Asfa-Wossen Asserate verriet ihr den Anlass. Er erhält am morgigen Sonntag, 1. Februar, den Literaturpreis der Neuen Literarischen Gesellschaft in Marburg für sein Buch „Der letzte Kaiser von Afrika“, eine Biografie des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie.

Kein typischer Marsch

Roswitha Aulenkamp begann mit der Arbeit. „Das Werk ist kein typischer Marsch, sondern spielt mit vielen Variationen aus der Musikgeschichte“, erläutert die Komponistin. Klassische Marschmomente gehen in einen Trauermarsch über, tänzerische Aspekte wechseln mit Mozartklängen und auch einige Takte aus einem koptischen Choral sind zu erkennen. „Ich wollte eigentlich auch die orientalische Musik einbinden, aber der Prinz bat darum, darauf zu verzichten“, erzählt Auenkamp. Sie vermutet den Grund in seiner Biografie. Asfa-Wossen Asserate wurde 1948 in Äthiopien geboren und ist ein Großneffe des Kaisers Haile Selassie.

Er besuchte in Addis Abeba die Deutsche Schule und studierte in Tübingen und Cambridge Jura, Volkswirtschaft und Geschichte. 1974 stürzte eine kommunistische Revolution die Monarchie, Asserates Vater, der Präsident des Kronrates gewesen war, wurde ohne Gerichtsverhandlung hingerichtet und seine Familie verhaftet.

Deutscher Staatsbürger

Dr. Asserate blieb in Deutschland, wurde deutscher Staatsbürger. Er ist als Unternehmensberater tätig und Autor mehrerer Bücher.

Als Titel für den Marsch wünschte sich Prinz Asfa-Wossen Asserate „Die Hohen Semien“. Die Semien-Berge sind die höchste Bergkette des abessinischen Hochlandes und für ihre wilde Ursprünglichkeit berühmt.

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