Rundfahrt zur E-Mobilmesse Schwalmstadt: Stromer bietet völlig neues Fahrgefühl

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Auf Tour: Schwalmstadts Stadtmanager Alexander Dupont war auch dabei und lud sein E-Fahrzeug in Neukirchen auf. 

Schwalmstadt. HNA-Mitarbeiterin Sandra Rose lenkte anlässlich des 4. Erlebnis E-Mobilität Nordhessen erstmals ein Elektroauto. Hier kommt ihr Bericht.

Welche Vor- oder Nachteile hat ein E-Auto gegenüber einem herkömmlichen „Verbrenner“? Bei der Entdeckertour will ich das herausfinden und Branchenkennern auf den Zahn fühlen.

Das Fahrgefühl

Ich steige ein und bin überrascht: Mein Fuß sucht ganz automatisch die Kupplung - vergeblich. Ich lerne: E-Mobile fahren mit Automatik, aber ohne Getriebe. Denn: Einen Verbrennungsmotor gibt es nicht. Dafür einen, der Strom verbraucht, dessen Technik aber auch wieder welchen nachlädt.

Sandra Rose

Auch den Schlüssel vermisse ich erst einmal, stattdessen gibt es einen Startknopf. Der funktioniert geräuschlos. Genauso, wie der Rest des Autos. Deshalb weiß ich auch nicht, ob das Auto tatsächlich schon fahrbereit ist. Ich höre nämlich absolut nichts. Beim Rückwärtsfahren überlege ich, dass mich Fußgänger aber eben auch nicht hören. Das kann fatale Folgen haben. Ich rolle also geräuschlos Richtung Bundesstraße, fahre aus Neukirchen hinaus Richtung Asterode.

Mein Beifahrer erklärt mir: „Das Auto beschleunigt schnell.“ Stimmt. Dafür scheint auch die Bremse sensibler. Das Fahren ist unaufgeregt. Mich als Fahrerin entspannt das. Das sonore Brummen des Verbrenners vermisse ich nicht.

Die Ladestationen

Im Durchschnitt muss ein E-Mobil nach etwa 150 Kilometern an eine Ladestation. Doch das Tanken kann dauern. Und variiert je nach Fahrzeugtyp und Hersteller. An herkömmlichen Ladesäulen hängt das E-Auto etwa vier Stunden, bis die Batterie wieder voll ist. An Schnell-Ladestationen nur knapp 30 Minuten. Doch die sind im Bundesgebiet noch rar. In der Umgebung gibt es zwei: in Lohfelden und in Kirchheim. Anton Achatz von der E-Wald-GmbH, eine E-Car-Sharing-Firma, aus Bayern, erklärt: „Aktuell gibt es in Deutschland etwa 200 dieser Stationen. In den kommenden Jahren sollen 7500 allein in Hessen entstehen.“ Ich bin skeptisch. Dazu muss auch die passende Infrastruktur geschaffen werden. Nicht jeder will alle paar Stunden 30 Minuten lang einen Kaffee trinken. Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch sieht das realistisch „Das Kirchheimer Dreieck kreuzen täglich 200 000 Fahrzeuge. Wir denken an eine Studie, in der wir mehr über das Reiseverhalten von E-Mobilisten erfahren.“ Das Laden kostet übrigens zwei Euro plus 25 Cent pro Kilowattstunde.

Die Technik

Nach einer Pause in Kirchheim geht es weiter Richtung Oberaula, von dort nach Ottrau. Ich schaue mir das Armaturenbrett an. Einen Drehzahlmesser sehe ich nicht. Dafür ein Messinstrument, das mir anzeigt, wann und wie viel Strom das Auto verbraucht. Und Energie auch wieder zurückgewinnt. Das Verfahren heißt Rekuperation: Wenn ich das Auto rollen lasse, also den Fuß vom Gaspedal nehme, lädt sich die Batterie wieder auf. Wer also kein allzu nervöses Füßchen hat, kann durch seine Fahrweise deutlich an Reichweite gewinnen.

Anschaffung

Wer sich ein E-Mobil anschaffen will, der muss gegenüber einem Verbrenner mit Mehrkosten rechnen. Etwa 10 000 Euro teurer ist die E-Variante eines Modells. Führend sind aktuell die Marken Renault und Nissan mit ihren Modellen Zoe und Leaf. Auch VW investiert derzeit viel Geld in die Weiterentwicklung. Bezuschusst werden kann der Kauf durch die sogenannte EKM-Förderung, mit etwa 4000 Euro.

Die Wartung

Elektromotoren gelten als nahezu wartungsfrei. Verschleißteile wie beim Verbrenner werden im E-Auto nicht verbaut. Das macht etwa den Ölwechsel überflüssig. Einziges Verschleißteil ist die Batterie. Sie wird stetig weiter entwickelt.

Denn noch immer sind die Reichweiten insbesondere für Langstreckenfahrer das größte Problem. Ein neu entwickeltes E-Mobil von BMW hat eine Reichweite von 300 Kilometern.

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