Schwalmstadts In-Disco „Haz“ ist dicht

Die Hocker bleiben oben: Ömer Eray im „Le Trou“, der in den achtziger Jahren eingebauten zusätzlichen Disco im Geschoss unter der Hazienda. Foto: Quehl

Weil sich der Bertrieb nicht mehr lohnt, hat Ömer Eray die Kultdisco jetzt dicht gemacht. Hauptgrund: Junge Leute geben in Lokalen immer weniger aus.

Dabei kennt Wirt Ömer Eray sie alle. Die Kumpeltruppe mit einem Aggressiven, das brave Schulmädchen, das sich auf der Toilette umzieht und als betrunkene Femme fatale zurückkehrt. Vor allem aber viele nette junge Leute, die oft Grüße mitbrachten von ihren Eltern, die auch schon Gäste der „Haz“ waren. So gesehen hat mit der Kultdisco an der Friedrich-Ebert-Straße in Treysa eine Schwälmer Institution dicht gemacht.

Eray hatte die Diskothek Hazienda zum Jahreswechsel 2003/04 übernommen. Damals war die Krise der Discos noch weit. „Zwei gab es in Alsfeld, eine Ziegenhain, eine in Stadtallendorf, eine in Homberg und so weiter, aber die zwei in unserer Gegend haben heute nur noch gelegentlich geöffnet“, resümiert der Treysaer Geschäftsmann, der genügend andere Standbeine hat, um mit einem breiten Lächeln Tschüs zu sagen. „Wer braucht in Zeiten von Facebook und Online-Dating noch eine Diskothek zum Kennenlernen und Treffen?“, fragt er, um anzufügen, dass die jungen Leute heute kaum einen Euro da lassen, sondern erst nach stundenlangem „Vorglühen“, also gemeinsamem Alkoholkonsum vor dem eigentlichen Ausgehen, sehr spät eintrudeln. „Aber top Discjockeys aus großen Städten, die viel Geld kosten, erwarten sie natürlich trotzdem.“

Dennoch. Eray, der mit vier Jahren mit seiner Familie nach Treysa kam, sich als echter Schwälmer fühlt und vom Lebensmittelgeschäft bis zum Solarium alle Branchen kennt, hat nicht verbittert Schluss gemacht. Eher ein bisschen spontan.

Erstens denkt er an eine Übergabe, zweitens würde er den Laden, anders als es zu lesen war, gern von Zeit zu Zeit aufmachen. Zu sehr hängt er an allem, das er angeschafft und aufgebaut hat in dieser Toplage, wie er betont - bis hin zum Swimmingspool hinter dem Gebäude. Etliche amtliche Richtlinien habe er umsetzen müssen, die viel Geld kosteten, und die er oft überzogen fand. Dass jetzt erstmal dicht ist, werde das Publikum erst ab Herbst und Winter realisieren, wenn die nächste Disco weit, weit weg ist, vermutet Ömer Eray.

Dass wirklich alles vorbei sein soll, mag man Eray irgendwie nicht so richtig abkaufen, wenn er strahlend sagt: „Ich arbeite für mein Leben gern mit Menschen, mein Ziel war es, dass die Leute Spaß haben.“

Hintergrund:

Die Diskothek Hazienda wurde im Jahr 1971 oder 1972 gegründet, so genau wisse das heute niemand mehr, sagt Eray.

Über Jahre bildeten die Bundeswehrsoldaten vom Treysaer Harthberg (bis 2006) einen wichtigen Teil des Klientels, auch die in Treysa stationierten US-Army-Kräfte (bis 1992). Und natürlich viele Schwälmer sowie Gäste auch von weit her.

Zuletzt war die Disco freitags und samstags geöffnet, früher auch sonntags, montags und donnerstags.

Erzählen Sie Ihre Erinnerung

Generationen junger Menschen verbrachten dort ihre Nächte, tanzten und lernten sogar die große Liebe kennen. Zahlreiche Geschichten ranken sich um die Diskothek, die nun nach 45 Jahren wohl endgültig ihre Pforten schließt.

Haben auch Sie Erinnerungen an die Hazienda oder alte Bilder von Feten und Feiern? Die Schwälmer HNA sucht ehemalige Besucher, die Geschichten und Anekdoten über die Diskothek in Treysa erzählen können.

Melden Sie sich bei uns und berichten Sie über ihre Erlebnisse in der Hazienda. Schreiben Sie uns unter

email: schwalmstadt@hna.de

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