Ann-Christin Wahlen stand bereits im Finale der hessischen Meisterschaften

Schwalmstädterin macht sich einen Namen als Poetry-Slammerin

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Das Notizbuch ist das Allerheiligste: Poetry-Slammerin Ann-Christin Wahlen.

Schwalmstadt. Es ist das Gefühl der Aufregung, kurz bevor Ann-Christin Wahlen dem nachgeht, was für sie als Spaß angefangen hat und dann zu einer Art Therapie für Alltagserlebnisse wurde. Die 26-Jährige aus Ziegenhain ist Poetry-Slammerin.

Das bedeutet, sie trägt ihre selbstgeschrieben Texte im literarischen Wettkampf vor und wird dann vom Publikum bewertet. „Kurz bevor es losgeht, gibt es dann ein paar Dinge, die mir durch den Kopf gehen“, sagt sie. Den Text zu vergessen, sei so eine Sache, aber noch weiter vorne stünden: „Nicht stolpern und möglichst schnell mit der Einstellung des Mikrofons zurechtkommen.“

Die Besonderheit an ihr ist, in welch kurzer Zeit sie sich einen Namen in der Szene gemacht hat. Es war vor einem Jahr, als ein Freund ihr ein YouTube-Video von Lisa Eckhart, einer bekannten Poetry-Slammerin, schickte. Die damals 25-Jährige war fasziniert, schaute mehr Videos, besuchte Poetry-Slams und fing in der Weihnachtszeit an, eigene Texte zu schreiben. Geschrieben hatte sie schon immer gerne, „und dann dachte ich mir, ich könnte mein Zeug ja auch mal an die Leute bringen.“ Der erste Auftritt folgte im Januar in Baunatal.

Am Wettstreit gefällt ihr, dass jeder teilnehmen kann, egal mit welchen Texten und mit welchem Bildungsstand. „Bei den Slams, bei denen ich Besucherin war, haben mir die Slammer tolle Momente beschert“, sagt sie. „Und es ist einfach schön, wenn ich den Zuschauern jetzt das gleiche Gefühl geben kann.“

Nach nur einem halben Jahr als Poetry-Slammerin, wohlgemerkt als Hobby neben dem Beruf, stand Wahlen dann im Finale der hessischen Poetry-Slam-Meisterschaften. Die Ziegenhainerin, die in Wiesbaden lebt, gewann einen Slam in Weiterstadt bei Darmstadt und weil bestimmte Slam-Veranstalter Teilnehmer zu den hessischen Meisterschaften entsenden dürfen, zählte Wahlen im Juni in Gießen und Wetzlar zu den 22 besten Slammern in Hessen. Dort schaffte sie es bis ins Finale. „Und da bin ich dann Achte von Acht geworden“, lacht sie, hat aber auch eine Erklärung: „Ich habe nicht damit gerechnet, ins Finale einzuziehen und musste deshalb nachts einen meiner Texte auf Hessen-Slam-Standard umschreiben und anpassen.“

Wahlen hat zwei Lieblingsthemen: Zum einen sarkastische Lyrik. Darin arbeitet sie Kleinigkeiten aus dem Alltag auf und macht sich unter anderem über Neurosen lustig - oftmals welche, die sie bei sich selbst feststellt. Zum anderen erzählt sie Geschichten aus dem Alltag, meist lustige Situationen: „Zum Beispiel, wenn ich nach dem Wäschewaschen nur einen Socken finde. Das ärgert mich total aber wenn ich mich beim Slammen darüber auslasse, hilft mir das, solche Kleinigkeiten gelassener zu sehen.“

Für die Finanzbeamtin ist das Schreiben auch ein Ausgleich zum Beruf. Der mache ihr Spaß, raube aber auch Zeit zum Schreiben. Generell textet die 26-Jährige immer, wenn sie eine Idee hat. Dann notiert sie Stichworte, die sie später mit einer Geschichte auffüllt. Am liebsten chronologisch und schnell. „Die besten Texte sind die, die in einem Rutsch entstehen.“

Und zwar im heiligen Notizbuch. Daraus lernt sie auswendig oder liest Texte auf der Bühne vor, beides ist erlaubt. Um sich vor einem Auftritt abzulenken hilft ihr oft das Gespräch mit Slammer-Kollegen und ein Blick ins Publikum. Wenn sie die Gesichter erkenne, lindere das die Aufregung. Und dann halten auch die Knie dem Druck stand.

Ann-Christin Wahlen ist 26 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Ziegenhain. 2010 absolvierte sie ihr Abitur am Schwalmgymnasium und studierte anschließend in Rotenburg an der Fulda Diplom-Finanzwirtschaft. Heute lebt sie in Wiesbaden und arbeitet dort als Finanzwirtin im Hessischen Competence Center. Sie kommt regelmäßig in die Schwalm um Freund und Familie zu besuchen.

• Nächster Auftritt: 17. Oktober im „English Theatre“ in Frankfurt

• Kontakt: facebook.com/annchristinwahlen

Ein Video vom Hessenslam 

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