Vor 40 Jahren brachte "Toni" die Pizza in die Schwalm

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Es gibt auch Spezialitäten aus der süditalienischen Heimat: Antonio D`Angella (63) und seine Tochter Nicole freuen sich auf den 40. Geburtstag der Pizzeria O Sole Mio.

Treysa. Schon oder auch erst 40 Jahre ist es her, dass sich Antonio D`Angella aus Apulien in Treysa niederließ. Ein Blick zurück auf eine Zeit, als eine Margherita 3 DM kostete.

Als Antonio D`Angella im Februar 1976 als 23-Jähriger in Treysa startete, sprang er allein ins eiskalte Wasser. Nach dem ersten Wochenende war er wie durchs Wasser gezogen, die Ware war verbraucht, denn die Schwälmer waren weit über Treysa hinaus betört von der ersten italienischen Pizza der Gegend. Antonio D`Angella, den jeder nur Toni nennt: „Manche wussten gar nicht, was Pizza ist, haben hier ihre erste gegessen.“ Die nächsten Italiener fanden sich damals in Bad Hersfeld, Marburg oder Alsfeld.

Der junge apulische Pizzabäcker war mit gerade 16 Jahren nach Deutschland gekommen, hatte in Pizzerien in Frankfurt und Krefeld Berufserfahrung gesammelt. Nun exportierte er den grandiosen, neuartigen Geschmack in sein eigenes, damals noch winziges Lokal mit 15 Sitzplätzen am Marktplatz, wo er später erweiterte und noch heute zu finden ist. Und wo noch immer Gäste von damals hinkommen. Mit ihm zusammen sind sie 40 Jahre älter geworden. „So, wie es ist, lieben es die Leute“, sagt Tochter Nicole, die vor der Lebensleistung ihres Vaters großen Respekt hat.

Ein Leben über der Pizzeria 

In den ersten Wochen übernachtete der junge Wirt in einem Pensionszimmer in der Nachbarschaft, bald übernahm er das Geschäftshaus und lebt seitdem über dem Lokal. Treysa wurde seine zweite Heimat, niemand in der Stadt, der ihn nicht kennt.

Die erste Speisekarte hat Toni aufgehoben. 3,50 D-Mark kostete eine Pizza Salami, den gleichen Preis nahm er für Spaghetti mit Fleischsoße, einen Salat mit Thunfisch gab es für 3 DM.

Spezialitäten kommen aus Apulien 

Heute wollen die Gäste auch mal Exklusiveres, eine besondere Empfehlung, ein neues Gericht. Aus seiner Heimat ordert D`Angella inzwischen auch mal frische Spezialitäten aus Mozzarella (zum Beispiel Caciocavallo, den er auf dem Foto in der rechten Hand hält) oder vom apulischen Schlachter für diejenigen, die etwas sehr Typisches kosten möchten. Aus Murge (übersetzt: hohes, felsiges Land), nicht weit vom weltbekannten achteckigen Castel del Monte von Stauferkaiser Friedrich II., stammt Toni D`Angella. Seine Kochkunst hat er von dort mitgebracht, vor allem von seiner geliebten Mama. Salsiccia, pikante Wurst, Orecchiette, eine besondere Pasta aus Apulien und grünes Gemüse zum Beispiel.

Aber das A und O bleibt doch die Pizza, und so wirft der Toni auch als „Nonno“ (Opa) von acht Enkeln jeden Morgen den alten Steinbackofen hinter der Theke an, dessen Heizleitungen noch mit italinienischem Vulkansand gefüllt sind.

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