Vogel brütet im Schwalm-Eder-Kreis

Zeuge des Klimawandels: Bienenfresser wieder in der Schwalm heimisch

Einer der schönsten europäischen Vögel: Der Bienenfresser.

Schwalm. Über Jahrhunderte war der Bienenfresser in Deutschland und Hessen eine sehr seltene, nur in wenigen Jahren sporadisch aus dem Süden einfliegende Vogelart.

Nun brütet der außerordentlich bunte Vogel seit vergangene, Jahr sogar im Kreisgebiet, in einer Sandgrube im Ederraum. Wie ist es dazu gekommen?

Der Bienenfresser ist der einzige europäische Vertreter einer in den Tropen der Alten Welt weit verbreiteten Vogelgruppe. Er brütet kolonieartig in selbst gegrabenen Erdhöhlen in Steilwänden und ernährt sich von Fluginsekten wie Wespen und Bienen, vor allem aber von Hummeln, Libellen und Tagfaltern. Mit seiner tropisch bunten Erscheinung zählt er zu den schönsten europäischen Vögeln. Vor allem um das Mittelmeer verbreitet, fehlte er nördlich und westlich der Alpen über Jahrhunderte. Dennoch sind immer wieder Vorstöße nach Mitteleuropa dokumentiert, meist bedingt durch günstige Klimaphasen. Zuletzt fand eine kurzfristige Ausbreitungswelle in den 1920er und 1930er Jahren statt.

Ab etwa 1990 ist in Mitteleuropa eine erneute Ausbreitungsphase zu beobachten, die alle bisher vorliegenden Erfahrungen bei Weitem übertrifft: inzwischen brüten bundesweit mehr als 1000 Paare. Die größten Vorkommen befinden sich in den wärmsten und niederschlagsärmsten Bereichen Deutschlands, dem Kaiserstuhl in Baden-Württemberg mit einer monatlichen Sonnenscheindauer von bis zu 250 Stunden und dem im Regenschatten des Harzes gelegenen Saaletal in Sachsen-Anhalt. Auch in Rheinland-Pfalz hat sich der Bestand des Koloniebrüters von zwei Paaren im Jahr 2002 auf mehr als 100 Paare vergrößert. Diese Bestandszunahme ist allein vor dem Hintergrund der gestiegenen Sommertemperaturen zu sehen. Der Bienenfresser ist damit einer der Kronzeugen der aktuellen Klimaerwärmung. Und inzwischen ist er sogar in unserem Kreisgebiet eingetroffen, wie im Vorjahr brüteten auch in diesem Sommer drei Paare in einer Sandgrube an der Eder.

Dabei ist bemerkenswert, dass schon die erste Brut, die jemals in Hessen bestätigt werden konnte, im Jahr 1889 bei Wiera in unserem Raum stattfand, also vor fast genau 125 Jahren. Danach siedelte die Art nur in den 1970er und 1990er Jahren kurzfristig an insgesamt vier Stellen und 2004 sowie 2005 wurden ein bis zwei Paare östlich von Darmstadt nachgewiesen. Die Ansiedlung der seltenen Vögel im Edertal 2014 war damit erst das siebte Brutvorkommen in Hessen.

Mit dem heißen Sommer 2015 konnten weitere Neuansiedlungen bei Wiesbaden, Limburg, Marburg und im Vogelsberg beobachtet werden.

Von Stefan und Heinz Stübing

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