Kleidung in Treysa gestohlen

Sechs Monate Haft für Drogenabhängigen wegen Diebstahls

Treysa/Frankfurt.  Üblicherweise hält bei einer Gerichtsverhandlung am Ende der Beweisaufnahme jede Partei ein Plädoyer. Danach fällt der Richter das Urteil. Es geht aber auch anders.

Vor Kurzem folgte auf die leidenschaftlichen Ausführungen der Verteidigerin eine ebenso engagierte Gegenrede des Staatsanwalts, welche wiederum von der Verteidigung erwidert wurde. 

Angeklagt war ein 40-Jähriger aus Frankfurt. Laut Staatsanwaltschaft hatte er im vergangenen September in einem Bekleidungsgeschäft in Treysa Kleidung im Wert von 104 Euro gestohlen. Durch den Verkauf der Teile habe der 40-Jährige seinen Lebensbedarf und Betäubungsmittel finanzieren wollen, so die Anklage.

Im Namen des Angeklagten gab die Verteidigerin aus dem Rhein-Main-Gebiet eine ausführliche Erklärung ab. Die Anklageschrift sei richtig und ihr Mandant räume die Tat in vollem Umfang ein. Im weiteren Verlauf versuchte die Verteidigung den Diebstahl zu begründen, ja gewissermaßen zu rechtfertigen. Der 40-Jährige habe die Tat nur begangen, weil er damals extrem unter Entzugserscheinungen gelitten habe.

Nach einem Diebstahlversuch in Frankfurt hatte der 40-Jährige zu seiner Mutter in den Schwalm-Eder-Kreis gewollt. Angesichts seiner Drogensucht habe die Mutter ihn aber vor die Tür gesetzt, sagte die Verteidigerin: „Er ist hier gestrandet und hatte kein Geld.“

Mit allerlei Belegen und Nachweisen versuchte die Juristin, ihren Mandanten in einem möglichst positiven Licht darzustellen. Trotzdem musste sie zahlreiche Delikte des 40-Jährigen einräumen. 900 abzuleistende Sozialstunden hatte der Frankfurter in seiner kriminellen Karriere angehäuft und nur teilweise abgearbeitet. Während der Tat in Treysa stand der Mann unter zweifacher Bewährung.

„Er ist hier gestrandet und hatte kein Geld.“

Lediglich eine Zeugin wurde gehört. Laut der Verkäuferin hatte der Diebstahl für den 40-Jährigen unmittelbar schmerzhafte Folgen.

Schlägerei im Laden

Bei der Flucht sei der Angeklagte von zwei Männern überwältigt und zurück ins Geschäft gebracht worden, erzählte die 26-Jährige: „Die haben sich gestritten und dann ging die Schlägerei los.“ Als die Verteidigung wissen wollte, wie der Angeklagte am Ende ausgesehen habe, sagte die Zeugin nur ein Wort: Blutig. In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt für den Frankfurter wegen gewerbsmäßigen Diebstahls eine sechsmonatige Haftstrafe ohne Bewährung. Sechs Monate seien zu viel, fand die Verteidigerin, schließlich habe der 40-Jährige in einer Ausnahmesituation gehandelt und eine günstige Sozialprognose spreche für ihn.

Diese Behauptung wollte der Staatsanwalt nicht unkommentiert lassen. Der Angeklagte müsse spüren, dass sich der Rechtsstaat auch einmal durchsetzt.

Am Ende folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Mann zu einer sechsmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung. Mit der Absicht, Berufung einzulegen, verließen Verteidigerin und Angeklagter den Gerichtssaal.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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