Maler nannte ein Werk „In Merzhausen“ – das abgebildete Haus steht aber in Röllshausen

Auf der Spur eines Bildes

Vier Generationen der Familie Leiser: Auf dem Foto rechts ist der heute 77-jährige Konrad Leiser als Baby zu sehen. Foto: privat

Röllshausen. Für Aufruhr sorgte das Bild "In Merzhausen" des Malers Karl Sümmerer. Das abgebildetet Haus, so Anrufer in der Redaktion, stehe nicht in Merzhausen, sondern in Röllshausen.

Im Mai 2015 starb der Maler Karl Sümmerer. Als Mitglied der Vereinigung Willingshäuser Malerstübchen zeigte der Künstler seine Verbundenheit zur Schwalm. Hier setzte er die Natur in Szene, hielt Menschen, aber auch Architektonisches fest. Am Sonntag steht das Werk „In Merzhausen“ aus dem Jahre 1970 Mittelpunkt des Bilderschwatzes im Gerhard-von-Reutern-Haus.

Doch schon vor der Plauderei sorgt die Abbildung des Fachwerkhauses (war zu sehen in der HNA) für Gesprächsstoff: Etwa bei Konrad Leiser und Hans Roth. Denn eines wissen die Röllshäuser mit Gewissheit: „Das Haus steht nicht in Merzhausen, sondern in Röllshausen.“

Der 77-jährige Konrad Leiser und sein Cousin Hans Roth (66) müssen es wissen, denn das Bild von Sümmerer zeigt das einstige Haus der Familie Leiser aus Röllshausen. Zuletzt bewohnte Konrads Großvater Johannes Leiser das Haus. 1971 starb er. „Wir haben als Kinder oft in der Scheune gespielt und sind regelmäßig von der Leiter gefallen“, erzählt der 77-Jährige.

Haus zog Maler an

Dass das Haus immer wieder Maler anzog, beweisen Abbildungen, erklärt Hans Roth. Auch Konrad Leiser selbst griff unlängst zum Pinsel und hielt den früheren Fachwerk-Familienbesitz im Bild fest.

Als der Großvater 1971 starb, habe die Oma noch allein im Haus gelebt, später habe es einer der Söhne - Leisers hatten drei Jungs und ein Mädchen - als Lager für sein Lebensmittelgeschäft, das in unmittelbarer Nähe lag, benutzt.

Ende der 1970er-Jahre wurde das Anwesen an Traugott Heil verkauft. Er war Hausarzt in Schrecksbach und lebt heute in Ziegenhain.

Kleine Landwirtschaft

Sowohl Leiser als auch Roth erinnern sich gut an die Aufteilung des Hauses: Original erhalten ist noch das große Scheunentor. „Dahinter war tatsächlich der Kuhstall.“ Die Großeltern betrieben eine kleine Landwirtschaft. Im angrenzenden Schuppen hielten sie unten die Schweine, oben einige Hühner. Erbaut wurde das Haus - so geht zumindest aus der Jahreszahl an der Fassade hervor - um 1729. Häufig sei man als Enkelkind dort ein und aus gegangen. „In die kleine Stube passten an Weihnachten unglaublich viele Menschen“, erzählt Roth. Und nicht selten sei man bei der Oma vorbei gegangen, um sich mit selbst gekochtem Kochkäse oder Schmalzebrot verwöhnen zu lassen.

Traugott Heil hat das Haus liebevoll saniert, hinter der schmucken Fachwerkfassade hat er Museales aus früheren Zeiten zusammen getragen.

Was über das Bild, seine Entstehung oder das Haus selbst noch zu erzählen ist, das dürften die Gäste des Bilderschwatzes erfahren. • Bilderschwatz: Sonntag, 14. Februar, ab 16 Uhr, im Gerhard-von-Reutern-Haus in Willingshausen.

Von Sandra Rose

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.