Hilfe beim Ausstieg aus Rechtsextremismus: Firmen beteiligen sich an Modellprojekt

Szene transparent machen

Gemeinsam gegen Rechts: Dr. Reiner Becker, Ute Langstädtler (Rohde), Christina Nass (Horn und Bauer), Petra Petersen Ross (Konvekta), Klaus Schwalm (Kreissparkasse) und Martin Sikora (Freudenberg, von links). Foto: Rose

Schwalmstadt. Der Einstieg von Jugendlichen in die rechtsextreme Szene ist oft ein schleichender Prozess: Diese Erfahrung hat Dr. Reiner Becker gemacht. Der Erziehungswissenschaftler betreut das Projekt „Rote Linie“. Darin bündelt er Hilfen für Eltern rechtsextrem orientierter Jugendlicher in Hessen. Darüber hinaus klärt Becker in Seminaren junge Leute über die Szene auf, darunter auch Azubis aus der Schwalm. Fünf Firmen aus dem Altkreis – Konvekta, Horn und Bauer, Rohde, Freudenberg und die Kreissparkasse – machen sich für das Modellprojekt stark.

Im vergangenen Jahr fand bereits in allen Betrieben ein Infotag statt. Eine Neuauflage ist für Herbst geplant. Gemeinsam mit Beamten der hessischen Polizei hat der Erziehungswissenschaftler verschiedene Module zusammen gestellt, die Themen wie die Ideologie oder Gruppenzugehörigkeit und Identität der rechten Szene beleuchten. „Wir möchten uns nicht nur als Unternehmen klar positionieren. Es ist wichtig, das Thema aufzugreifen und die Jugendlichen zu stärken und zu sensibilisieren. Außerdem gibt es hier nunmal ein regionales Problem mit der Szene“, sagt Petra Petersen Ross von der Firma Konvekta. „Als weltweit exportierendes Unternehmen haben wir sehr viel mit ausländischen Kollegen zu tun“, argumentiert auch Ute Langstädtler von der Firma Rohde. Die erste Seminar-Runde wurde in jedem Betrieb angeboten: „Beim nächsten Infotag fassen wir betriebsübergreifend alle ersten Lehrjahre zusammen“, erklärt Christina Nass, Mitarbeiterin bei Horn und Bauer. Dieser Wunsch sei von den Jugendlichen selbst gekommen. „Darüber hinaus ergibt sich sicher eine positive Vernetzung.“

Vorurteile fallen nicht vom Himmel – davon ist Dr. Reiner Becker überzeugt. „Längst hat Rechtsextremismus auch die Mitte der Gesellschaft erreicht“, erläutert der Wissenschaftler. Das Ganze passiere nie isoliert, sondern laufe über eine gewisse Gruppenzugehörigkeit.

„Interessant war für mich, wie bekannt zum Beispiele die Symbole der Freien Kräfte unter den Jugendlichen sind“, sagt Becker. Das beweise, wie konzentriert die Gruppe an ihrer Verbreitung arbeite. In den Workshops gehe es darum, Alternativangebote anzubieten: „Wer einer solchen Gruppe angehörte, wird den Ausstieg als Verlust der Anerkennung erleben“, beurteilt Dr. Reiner Becker. Die Seminare beschreibt der Wissenschaftler als sehr spannend: „Es war hochinteressant, wie kontrovers die Jugendlichen das Thema Rechtsextremismus diskutieren.“

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Von Sandra Rose

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