Mann zu Geldstrafe verurteilt, der für 4000 Euro Flüchtlinge in Budapest abholte

Treysa: 20-Jähriger schleuste Syrer ein

Treysa. Der Flüchtlingsansturm im Sommer vergangenen Jahres rief so manchen Kriminellen auf den Plan: Insbesondere als Schleuser ließ sich mit dem Leid der Menschen einiges verdienen.

Kürzlich musste sich ein 20-jähriger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain wegen Menschenschmuggels vor dem Amtsgericht Schwalmstadt verantworten.

Laut Anklage war der Mann im vergangenen August mit seinem Auto nach Ungarn gefahren und hatte über Österreich vier Syrer nach Deutschland geholt. Die illegale Einreise endete erst an einer mobilen Kontrollstelle der Polizei vor einem Einkaufsmarkt in Freilassing (Berchtesgadener Land). Für seine Tat habe der 20-Jährige 1000 Euro Schleusergeld kassiert, so die Staatsanwaltschaft.

„Alles, was die Staatsanwaltschaft gesagt hat, stimmt“, erklärte der 20-Jährige. Bereitwillig gab der bislang unbescholtene Mann Einblick in den Alltag eines semiprofessionellen Menschenschmugglers. Erst vor wenigen Jahren war er mit seinen Eltern selbst aus Syrien geflohen. Das Netzwerk in die alte Heimat war noch eng geknüpft. Den Kontakt zu den Flüchtlingen habe sein Cousin hergestellt, so der Angeklagte: „Wir sind gemeinsam nach Budapest gefahren.“

Die Tat selber verlief unspektakulär. Über Handy wurde in Budapest ein Abholpunkt vereinbart und dann fuhren Schlepper und Flüchtlinge nach Deutschland. Auf die Frage des Gerichts, ob es denn an den Grenzen Probleme gegeben habe, schüttelte der Mann nur den Kopf. Sie seien weder von den Ungarn noch von den Österreichern kontrolliert worden.

Das Gericht zeigte sich über die Mitarbeit des 20-Jährigen sichtlich überrascht. Bei vorhergehenden Befragungen war der Mann weniger kooperativ gewesen. Er habe mit der Jugendgerichtshilfe gesprochen und die habe zur Zusammenarbeit geraten, erklärte der 20-Jährige freimütig. Da habe die auch recht, sagte der Richter: „Was sie getan haben, ist gegen das Gesetz und das Gesetz steht bei uns über allem.“

Verwirrung herrschte über die Frage, wer letztlich mit dem Angeklagten nach Budapest gefahren war. Der Angeklagte selber sprach von seinem Cousin und Schwager. Die Flüchtlinge gaben bei der Polizei an, dass der Vater des 20-Jährigen mitgefahren sei.

Obwohl der Mann zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender war, empfahl die Jugendgerichtshilfe die Anwendung von Erwachsenenstrafrecht. Die Tat sei in keinster Weise jugendtypisch, betonte die zuständige Sachbearbeiterin. Die Staatsanwaltschaft schloss sich in ihrem Plädoyer dieser Einschätzung an.

Echtes Unrechtsbewusstsein zeigte der Mann bis zum Schluss nicht. Er habe ja nicht gewusst, dass man dafür vor Gericht landen könne, versuchte der Angeklagte die Tat augenscheinlich als verhältnismäßig harmloses Vergehen darzustellen.

Im Namen des Volkes verurteilte das Gericht den Mann letztlich zu einer Strafe von 560 Euro. Ein bei der Festnahme gefundenes Navigationsgerät, Smartphones und der Schleuserlohn wurden auf richterlichen Beschluss eingezogen.

Rubriklistenbild: © dpa

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