Hans Werner Schäfer und Hannelore Thiel organisierten schon 94 Blutspenden

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Im förmlichen Dienstanzug: Hans Werner Schäfer auf einem Foto von 1993. Die Namen der Frauen wurden nicht mitgeteilt.

Willingshausen. Hannelore Thiel und Hans Werner Schäfer sehen es ihren „Kunden" oft an der Nasenspitze an: „Erstspender sind häufig aufgeregt und bringen sich nicht selten Unterstützung mit", sagen sie. Die 62-Jährige und der 71-Jährige sind seit Jahrzehnten im DRK aktiv.

Schäfer und Thiel, beide aus Willingshausen, bereiten die Blutspendetermine in der Malerkolonie vor - 94 Mal organisierten sie bereits die Spendenaktionen. Ende des Monats findet die 100. Aktion in der Antreffhalle Merzhausen statt.

Bereiten den 100. Blutspendetermin vor: Hans Werner Schäfer und Hannelore Thiel, hier mit Übungs-Stethoskop, haben 94 von 100 Spendenaktionen in Willingshausen begleitet.

Ins Leben gerufen wurde die Blutspende in Willingshausen von der damaligen Vorsitzenden Baronin Anna-Luise von Schwertzell zusammen mit Wenzel Ortmeyer, das war 1959. Die Schwälmer Allgemeine titelte damals: „Willinghausen war Treffpunkt für 80 Blutspender aus drei Gemeinden“. Im Gasthaus Völker bat man damals zum Aderlass, bis ins Jahr 1964. Dann ruhte die Aktion. Erst 1993 lebte sie wieder auf. Im Zuge der Dorferneuerung war das Reutern-Haus renoviert worden, der Ortsverein bekam ein neues Domizil und lud alsbald zu ersten Blutspende ein. 81 Spenden wurden abgegeben, weiß Schäfer aus seinen Aufzeichnungen. Friedhelm Bechtel: „Die Untersuchungen und die Aufnahmen fanden oben im Haus statt, die Blutentnahme unten im Saal.“

Mitte der 90er Jahre wurde die Aktion dann in die Antreffhalle verlegt. Beschäftigt sind bei jeder Aktion, meist vier bis fünf pro Jahr, zwischen 17 und 23 ehrenamtliche Helfer, die das Team des Blutspendedienstes unterstützen. „Wir kümmern uns um die Aufnahme, die Registrierung, die Betreuung und die Küche“, sagt Thiel. In den vergangenen 20 Jahren haben beide die eine oder andere Anekdote erlebt. „Einer der Spender war hier im Ort Metzger. Ausgerechnet der kippte regelmäßig beim Anblick seines eigenen Blutes um“, erzählt Schäfer.

Weniger Freiwillige

In der Spitze kamen etwa 120 Freiwillige, heute liegt der Durchschnitt bei 80 Spendern. „Die Zahlen sind rückläufig“, bedauert Bechtel. Das liege zum Teil daran, dass auch anderorts Aktionen angeboten werden, „wobei wir das nicht als Konkurrenz sehen“, und mittlerweile gebe es auch viele Firmen, die Spendenaktionen anböten. Thiel kennt weitere Gründe, warum bei manchen Terminen die Spender spärlicher kommen: „Wenn Fußball läuft, haben wir schlechte Karten - da kommen meist nur die Frauen.“ Mit den Jahren verändert hat sich so manche bürokratische Hürde: „Es ist unsere Pflicht, den Personalausweis eines jeden Spenders zu sehen, auch, wenn es mein Nachbar ist“, erläutert Bechtel.

Möller spendete 142 Mal

Es gibt viele treue Spender, die immer wieder kommen - etwa Erwin Möller aus Mengsberg, der bereits 142 Mal beim Aderlass in Willingshausen war. „Erwin Möller und Wolfgang George aus Ascherode haben sich untereinander eine Art Wettbewerb um die meisten Spenden geliefert“, erzählt Schäfer. Das Team um Schäfer und Thiel weiß längst, was Spender brauchen: „Ist der Kreislauf unten, hilft eine Cola“, sagen sie. Und die belegten Brote, egal ob mit Gehacktem oder Schmalz, kämen bestens an. „Das sehen wir am Absatz“, schmunzelt Hannelore Thiel.

Einen offiziellen Dienstanzug wie vor 20 Jahren gibt es übrigens immer noch. „Die Helfer tragen aber meist eine Jeans und den DRK-Pulli“, erklärt der Vorsitzende. Friedhelm Bechtel ist stolz auf seine beiden „Urgesteine“: „Wir sind heilfroh, dass wir uns blind auf Hans Werner und Hannelore verlassen können.“

Von Sandra Rose

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