Willingshäuser entwirft Kunst aus Metallschrott

Experimentiert mit Materialien, die andere wegwerfen: Auf einem Hof in der Neustädter Straße 6 in Willingshausen entsteht Kunst aus Schrott. Thomas Schäfer (44) hat dafür das richtige Händchen. Fotos:  Rose

Willingshausen. Vor der Werkstatt von Thomas Schäfer grasen Schafe: Wolle, Milch und Fleisch liefern sie jedoch nicht. Denn die Haus- und Hoftiere des Willingshäusers sind aus Metall.

Regen und Sonne haben an ihnen genagt und eine braune Patina hinterlassen. Die findet der 44-Jährige schön: „Erst dann bekommen die Schafe ihren Charme“, sagt Schäfer, der Kunst aus Schrott macht.

Ausrangiertes Besteck, alte Pfannen, Kugellager, Kettenräder, Federn und Hufeisen sind seine Werkstoffe. Das meiste ist Abfall, Unnützes, das keiner mehr braucht. Aber einfach wegschmeißen - das mag der gelernte Industriemechaniker gar nicht.

Vor mehr als zwei Jahrzehnten fing die Bastelleidenschaft an, seit 2008 betreibt er den Bau von Skulpturen Gartenaccessoires als Nebengewerbe. Im alten Schweinstall auf dem Hof des Onkels in Willingshausen hat er sich seine Werkstatt eingerichtet. „An der Arbeit war immer eine Menge Rundstahl übrig. Aus dem habe ich anfangs kleine Männchen gebaut“, erzählt er.

Skizzen macht sich Schäfer vor dem Bau übrigens nie: „Das entsteht im Kopf und beim Basteln.“ Als ihm ein Hufschmied alte Eisen schenkte, war klar: „Daraus entstehen Schafe.“ Die Tiere haben sich zum Bestseller entwickelt, erzählt er: „Sie stehen deutschlandweit verteilt von der Nordsee bis nach Bayern.“

Die Werkzeuge hat sich Schäfer nach und nach angeschafft. Sein wichtigstes: ein Schweißgerät. Doch nicht allein aus Metall entstehen Rankhilfen, Uhren oder Schmuck. Holz oder Plexiglas kommen ebenfalls zum Einsatz. Seine Werke will der Willingshäuser demnächst auch zeigen: Seine Werkstatt grenzt an den aktuell entstehenden Willingshäuser Mehrgenerationenplatz - „hier soll ein Steingarten mit Ausstellungsstücken entstehen“.

Schäfers größtes Projekt war der Bau eines Metall-Wikingers in Lebensgröße. Für einen Amerikaner, der zu Besuch in der Schwalm war, realisierte er eine Uhr. Das meiste realisiere er auf Bestellung, erklärt er. „Ich habe kein Geschäft, in dem man sich etwas aussuchen und kaufen kann.“

Ideen sprechen sich herum

Doch auch ohne Laden hat sich die Idee von Thomas Schäfer herumgesprochen. Mittlerweile bietet der Willingshäuser sogar Kurse an, wo man unter anderem die Verarbeitung von Metall erlernen kann. Und natürlich freut er sich immer noch, wenn ihm Menschen etwas vorbei bringen, das sie nicht mehr brauchen. Und wenn aus Schrott Nützliches oder Kunst wird. • Nächster Kurs dieses Wochenende, 10./11. September, Anmeldung über Kunsthalle Willingshausen, mehr unter www.unikato.de

Von Sandra Rose

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