Anschließend fahren die Diebe mit den unbeschädigten Karossen davon. So war es auch im Januar 2012 in Oberkaufungen. Dort kletterten unbekannte Täter auf einen Balkon, öffneten die Balkontür und stiegen in ein Haus am Höhenweg ein. Sie waren gezielt auf der Suche nach den Autoschlüsseln der Hausbewohner – und wurden fündig. In einer einzigen Nacht entwendeten die Autodiebe zwei hochwertige Mercedes-Pkw vom Grundstück und verschwanden anschließend mit den Fahrzeugen.
Die Hausbewohner bekamen von alledem nichts mit. Erst am nächsten Morgen bemerkten sie den Diebstahl. Die beiden Wagen – ein Mercedes ML 320 CDI und Mercedes E-Klasse – hatten einen Gesamtwert von 100.000 Euro. Das Vorgehen der Einbrecher ist kein Einzelfall. Allein in den vergangenen zwei Monaten gab es im Großraum Kassel vier Fälle von "Home-Jacking".
Tatort Lohfelden. Dort wurde ein drei Monate alter Mercedes ML 350 im Wert von 60.000 Euro gestohlen. Die Täter brachen nachts die Haustür in einem Einfamilienhaus in der Seestraße auf und nahmen im Flur des Hauses den Auto-Schlüssel und ein Portemonnaie mit.
Weitere Tatorte waren in Fuldabrück (Porsche Cayenne: 70.000 Euro), Nieste (Mercedes: 50.000 Euro) sowie in Immenhausen (Mercedes: 80.000 Euro).
Die Polizei geht von überörtlich agierenden Tätern aus. „Diese Fälle werden bundesweit begangen“, sagt Kriminalhauptkommissarin Sabine Knöll auf Anfrage der HNA. Einen konkreten Verdacht habe man in den beschriebenen Fällen noch nicht. Vermutlich stecke eine Fahrzeugmafia hinter den Taten. Die Autos würden schnell verkauft, sagt Polizeioberkommissar Thomas Kostka. Um sich vor Home-Jacking zu schützen, solle man darauf achten, die Autoschlüssel nicht offen im Flurbereich liegen zu lassen, sagt Knöll. Wer seine Autoschlüssel sichtbar am Schlüsselbrett hängen hat, macht es Autodieben zu leicht. Besser sei es, einen sicheren Ort für die Schlüssel zu suchen.
Auch typische Plätze für Autoschlüssel wie Jacken- oder Handtaschen seien zu vermeiden. „Da wird als Erstes gesucht“, sagt Knöll. Auch eine Einbruchsberatung der Polizei für das eigene Haus sei sinnvoll, meint die Polizeisprecherin. Schließlich kämen die Täter erst gar nicht an die Schlüssel heran, wenn sie nicht ins Haus gelangten.
Von Nina Thöne
Hinweis: In einer früheren Versionen haben wir irrtümlicherweise von "Home-Checking" statt "Home-Jacking" gesprochen. Dies haben wir korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen. (rpp)































