Ausstellung über Uslarer Feuerwehren: Heiße Helden heute Mädchen für alles

An der Handdruckspitze aus Allershausen: Eröffnung der Sonderausstellung „Heiße Helden“ mit (von links) Stadtbrandmeister Jörg Jacob, Karl-Heinz Karsten, Hans-Joachim Schnabel, Bürgermeister Torsten Bauer und Daniel Althaus. Fotos: Schmidt-Hagemeyer

Uslar. In den Uslarer Ortsteilen und der Kernstadt stehen heute Freiwillige Feuerwehren mit ausgebildeten Helfern bereit, um bei Feuer, Unfällen und Hochwasser in kurzer Zeit einzugreifen. Das war nicht immer so: Einer der schlimmsten Brände ereignete sich 1819, als ein Drittel des Stadtgebietes abbrannte.

Zwar standen damals die beiden städtischen Spritzen, die Amtsspritze und die Spritze der Sollinger Hütte, bereit. „Aber es waren nicht genügend Männer anwesend, um die Spritzen zu bedienen, da alle mit der Kartoffelernte beschäftigt waren“, berichtete Bürgermeister Torsten Bauer am Sonntag in seiner Einführung zur neuen Sonderausstellung des Uslarer Museums.

Eröffnung im Alten Rathaus

Die Eröffnung fand im Alten Rathaus statt, wo nicht zuletzt Feuerwehrleute alle Sitzplätze füllten. Bürgermeister Bauer, selbst Mitglied der Feuerwehr und im Spielmannszug Bollensen aktiv, betonte die Bedeutung der Feuerwehrarbeit. „Heute sind es eine Vielzahl von technischen Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen, Umweltkatastrophen oder Zwischenfällen mit Gefahrgut, die die Feuerwehren zu einem „Mädchen für alles werden ließen.“ Rat und Verwaltung nähmen das Engagement der Feuerwehrleute „mit Freude zur Kenntnis und versuchen zu unterstützen, wo sie nur können“.

Auch wenn Wünsche offen bleiben, so sah es in Sachen Ausrüstung einmal ganz anders aus. Ganz früher waren die Bürger lediglich verpflichtet, einen Löscheimer aus Leder zu besitzen. Mehr Regeln kamen mit der Pflichtfeuerwehr im 19. Jahrhundert. Per Gesetz waren die Männer verpflichtet, an den Übungen teilzunehmen. Tatsächlich kamen aber viele nicht.

Die Situation besserte sich mit der Einführung der Freiwilligen Feuerwehren. Die erste gründete sich im Bereich der Stadt Uslar 1879, die letzte erst 80 Jahre später. Jeder Ortswehr ist in der Ausstellung eine Tafel gewidmet, die auch auf Besonderheiten eingeht.

Für Besucher interessant sind auch die Anekdoten, sagte Bauer. Dazu zählt die Pannenserie beim Brand der Gierswalder Gaststätte Klinge 1952. Die Gierswalder waren mit ihrer Handdruckspritze schnell da. Doch auf Unterstützung warteten sie vergeblich: Denn die Volpriehäuser kamen zwar mit Motorspritze, aber ohne Benzin. Die Uslarer hatten ihre Schläuche im Trockenturm hängenlassen, und das Fahrzeug der llse-Werksfeuerwehr blieb unterwegs mit Motorschaden liegen, weil über Winter das Kühlwasser abgelassen worden war.

Dank an alle Helfer

Ausdrücklich dankte Bürgemeister Bauer allen Helfern der Ausstellung, zu der Stadtbrandmeister Jörg Jacob und seine Stellvertreter Martin Dreier sowie Nils Utermöhle den Anstoß gegeben haben. Namentlich nannte Bauer außerdem Karl-Heinz Karsten, der die Papiertafeln und Werbematerial graphisch gestaltet hat, sowie Ehrenstadtbrandmeister Hans-Joachim Schnabel, der seine umfangreiche Dokumentensammlung zur Verfügung stellte. (shx)

Geöffnet ist das Uslarer Museum dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie freitags von 10 bis 12 Uhr.

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