Guten Wegen in Solling-Vogler-Region auf der Spur

Bestandserfasser bei der Arbeit: Tore Straubhaar erfasst nach Vorgaben des Deutschen Wanderverbandes Wanderwege in der Region, die eventuell für die Einstufung als Qualitätswanderweg in Betracht kommen. Unser Bild entstand bei Silberborn. Foto: Dumnitz

Neuhaus. Aus 135 bestehenden und gemeldeten Wanderwegen im Gebiet des Tourismus-Vereins Solling-Vogler-Region (SVR) im Weserbergland werden bis Mitte Oktober zwölf für das Projekt „Qualitätswanderweg“ ausgewählt. Die Bestandsaufnahme erledigen geschulte Erfasser, die Auswahl trifft der Deutsche Wanderverband.

Der Wanderverband hat bisweilen 24 ehrenamtliche Bestandserfasser im Tourismus-Zentrum in Neuhaus geschult und sie mit Kriterien-Katalogen ausgestattet. Jetzt sind diese Erfasser auf den Wegen unterwegs, um sie einzuschätzen.

Einer davon ist Tore Straubhaar. Der 46-Jährige ist hauptberuflich Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung und lebt bei Höxter. Ehrenamtlich ist er meist mit seinem Mountainbike unterwegs, um etliche Wanderwege der Region in Augenschein zu nehmen. Auf seinem Klemmbrett hat er ein Bewertungsblatt und einen Teilausschnitt einer Landkarte. Da notiert er von seinem Startpunkt an, wie der Wanderweg ausgeschildert ist. Wegweiser werden notiert, auch der Zustand und die Beschaffenheit des Untergrundes. „Ein Parkplatz als Startort ist gut und auch eine abwechslungsreiche Strecke“, sagt Straubhaar, der sich gern in der Natur aufhält. Durch sein Engagement will er es schaffen, auch andere Leute an die frische Luft und auf abwechslungsreiche Strecken zu bewegen.

Der Lebensraumweg am Dorfrand von Silberborn ist ein Beispiel für viel Abwechslung, sagt Straubhaar nach etwa der Hälfte der Strecke, die auch über den Holzsteg im Hochmoor am Mecklenbruch führt. Alle 250 Meter müsse es am Wegesrand Markierungen geben, an denen sich die Wanderer orientieren können.

Auch die Stille, die etwa auf Höhe des Aussichtsturmes im renaturierten Solling-Moorgebiet wahrzunehmen ist, bekommt einen Strich im Erfassungskatalog des Freiberuflers. Ebenso werden Sitzbänke und Aussichtspunkte sowie Besonderheiten in der Landschaft auf der Kartenskizze eingetragen.

Am Ende seines Rundgangs zur Erfassung zählt jede Notiz, die er daheim am Computer in vom Wanderverband zur Verfügung gestellte Tabellen und Listen für die spätere Bewertung einträgt.

Experten-Tipp

Auch im Urlaub wandert der ledige Straubhaar gern. Er sei schon auf vielen Wegen unterwegs gewesen. Egal wo man sei, die Beschilderung müsse man stets genau im Blick haben. Und eine geeignete Wanderkarte zur Kontrolle und für einen guten Überblick seien unbedingt nötig, so der Tipp des Experten.

Wieder am Ausgangspunkt angekommen, hat Tore Straubhaar einen guten Eindruck von dem Wegstück. Es sei lediglich zu kurz. Ein Qualitätswanderweg müsse laut Vorgaben des Deutschen Wanderverbandes mindestens fünf Kilometer lang sein. Vielleicht könne man noch eine Schleife dranhängen, meint der Erfasser.

HINTERGRUND

Die angestrebte Auszeichnung als Qualitätswanderregion nennt SVR-Geschäftsführer Theo Wegener die „Königsklasse“, für dessen Realisierung viele mitmachen müssen. Der Naturpark durch die Infrastruktur, Landesforsten, Politik und Verwaltung müssten dabei sein sowie die Bevölkerung.

Die Kriterien für die Bezeichnung Qualitätswanderweg beginnen mit der Erfassung von regionalen Rundwanderwegen, aus denen zwölf Qualitätswanderwege über das 60 000 Hektar große SVR-Gebiet verteilt ausgewählt werden. Zusätzliche Anreize für Wanderer in der Region sind die Prädikatswanderwege (Weserbergland- und Ith-Hils-Weg), und zur Kür zählen kurze thematische Qualitätswege wie der Wichtelpfad bei Sievershausen.

Kriterien des Deutschen Wanderverbandes sind unter anderem, dass die Wege über fünf Kilometer lang sein sollen, möglichst 35 Prozent naturnahen und maximal nur fünf Prozent schlecht begehbaren Untergrund haben. Außerdem sollen maximal 20 Prozent des Weges asphaltiert oder gepflastert sein und man dürfe nicht mehr als 300 Meter auf befahrenen Straßen gehen.

Zudem wird Abwechslung (Bewuchs, Landschaft, Ausblick) gefordert. Wenn die Kernkriterien und zusätzliche thematische Anforderungen zu 100 Prozent erfüllt sind gibt es eine Empfehlung, die der Deutsche Wanderverband prüft und bei Eignung als Qualitätswanderweg zertifiziert.

Am Ende steht die Auszeichnung der SVR zur Qualitätswanderregion. (jde)

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