Hofstelle in Schoningen bot zwei Tage Ausflug in alte Zeiten

Kunstvoll: In der alten Wohnstube hatte Carin Brandt (rechts), die auch Kurse an der KVHS in Uslar gibt, Platz genommen, um die Technik der Schwälmer Stickerei vorzuführen. Fotos: Schmidt-Hagemeyer

Schoningen. In der guten Stube wird Leinen bestickt, gleich nebenan zeigen zwei Frauen, wie kunstvolle Handklöppelspitze entsteht und der Klosterstich aussieht.

Für die Besucher der Kleinbäuerlichen Hofstelle an der Schoninger Bachstraße gab es am Wochenende viel zu entdecken.

Anlässlich des Internationalen Museumstages hatten Frauke und Otto Mai die Türen des Anwesens, dessen ältester Teil 1765 erbaut worden ist, geöffnet. Im „alten Haus“ ist neben der Wohnstube und der Küche ein Schlafzimmer aus Uromas Zeiten zu sehen. Oder auch aus Auguste Mais Jugend. Bis 1936 hat die heute 101-Jährige, eine geborene Kerl, auf dem Hof gelebt. Die Mutter von Gastgeber Otto Mai war am Samstag und Sonntag auf der Hofstelle dabei.

Außer ihr nutzten viele Bewohner des Uslarer Landes die Gelegenheit zu einem Ausflug in die Geschichte. Aus einem noch weiteren Einzugsbereich kam ein fachlich interessiertes Publikum, um sich das Anwesen, auf dem früher wie überall im Uslarer Land Flachs angebaut und zu Leinen verarbeitet wurde, anzusehen. Die Arbeit am Webstuhl war hart, erzählte Frauke Mai. Es nahm viel Zeit in Anspruch, das feine Garn zu verweben. Altes Leinengarn für die Ausstellung haben Mais unter dem Dachstuhl gefunden.

Auch alte Ballen Leinen mit vielen Metern Stoff gibt es noch auf dem Hof. Um die Länge zu zeigen, hing ein Ballen aufgerollt unter dem Dach im Gang vor dem Backofen aus dem Jahr 1860. Aus dem historischen Ofen kam am Wochenende unter anderem heißer Zwiebelkuchen. Diesen und süße Sachen ließen sich die Gäste im Innenhof schmecken. Dort war auch die Verliehäuser Familie Borgelt vertreten, die zeigte, wie Schafwolle gesponnen wird.

An weiteren Ständen gab es Handarbeiten wie Tischdecken oder Kleidung zu bestaunen und zu kaufen. „Aussteuerschätze in neuem Glanz“ lautete das mit dem Arbeitskreis der Landfrauenvereine Uslar-Schoningen entwickelte Motto. Elisabeth Warnecke erklärte am Stand der Landfrauen verschiedene Möglichkeiten des „Upcycelns“. So lässt sich zum Beispiel alte Spitze mit neuen Stoffen für Kissenbezüge kombinieren.

Die Nutzung alter Stoffe und der Erhalt überlieferter Handarbeitstechniken liegt Frauke Mai am Herzen. Die Qualität der Stoffe war früher sehr gut, sagte sie. So lassen sich heute noch bis zu 100 Jahre alte Leinenstoffe im Aussteuerschrank finden und verarbeiten. Eine lange Tradition haben auch viele Handarbeitstechniken wie der Klosterstich. Diese Sticktechnik stammt aus dem Mittelalter.

Frauke Mai wünscht sich, dass diese und andere alte Techniken, die immer weniger Menschen beherrschen, weiter gepflegt werden. Nicht zuletzt darum ließ sie sie am Wochenende auf dem Hoffest in Schoningen zeigen: „Dass animiert vielleicht junge Leute, mit einer Handarbeit anzufangen.“ (shx)

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