Jägermeister und Berater Winfried Müller warnt vor dem Wolf im Solling

Winfried Müller

Uslar/Delliehausen. „Ich stehe zur Resolution“, sagt Winfried Müller aus Delliehausen nach der Kritik der SPD-Fraktion an der Resolution des Uslarer Stadtrates gegen den Wolf im Solling und Weserbergland.

Er fordert, die Ratsmehrheit für die Resolution zu akzeptieren. Zudem halte er es für richtig, dass örtliche Institutionen das zuständige Ministerium kritisch begleiten.

Müller, nach wie vor Jägermeister der Jägerschaft Uslar und Wolfsberater im Uslarer Land, früher Förster in Delliehausen und viele Jahre Kreisjägermeister, rechtfertigt die Resolution: Sie setze sich für den Schutz der Kulturlandschaft ein, konkret gegen eine Besiedlung mit einem oder mehreren standorttreuen Rudeln Wölfen. Durchziehende Wölfe würden ausdrücklich toleriert.

Müller erinnert daran, dass Ratsmitglieder und die Öffentlichkeit in den Entscheidungsprozess einbezogen waren und sich jeder an der Meinungsbildung und der Formulierung hätte beteiligen können. Es sei nicht förderlich für die Region, nach dem Mehrheitsbeschluss Kritik zu üben. Er habe als Wolfsberater versucht, objektiv zu informieren.

Dass die Begrenzung der Wölfe möglich ist, zeigen laut Müller andere EU-Länder:

• In Polen werden alle Wölfe erlegt, die Nutztiere töten.

• Finnland und Frankreich begrenzten die Zahl der Wölfe auf 300 Stück.

• Lappen und Samen in Schweden dürfen zum Schutz ihrer Tiere alle Wölfe töten.

Winfried Müller ruft dazu auf, über Wolfsdichten im Zusammenleben von Mensch und Wolf nachzudenken, weil Deutschland die höchste Reproduktionsrate weltweit habe: mit einer Verdoppelung des Wolfsbestandes alle drei Jahre. Müller zitiert Umweltminister Stefan Wenzel, dass Niedersachsen im Gegensatz zu vielen dicht bevölkerten Gebieten in Europa ein nicht ganz auflösbares Spannungsfeld mit dem Wolf darstelle. Die Niedersächsischen Landesforsten sehen im Wolf laut Müller nicht mehr den mit offenen Armen empfangenen Heimkehrer.

Gefahr für Weidetierhaltung 

Betroffen wären nach Angaben von Müller vor allem die Landwirte. Da Präventionsmaßnahmen auf den Weideflächen fast undurchführbar wären, würden auch die Entschädigungen wegfallen. Die Fachpresse berichte, dass Landwirte wegen der Ausbreitung der Wölfe ihre Weidetierhaltung aufgeben würden. Für den Solling wäre das auch im Hinblick auf wieder angesiedelte alte Rassen und die Pflege der Wiesentäler fatal.

Winfried Müller: „Wir haben keine Wildnis mehr, sondern leben in einer Kulturlandschaft. Wölfe sind keine Fabelwesen, sondern Raubtiere.“ Für das Zusammenleben von Mensch und Wolf müsse der Wolf artgerecht und angepasst mit möglichst wenig Menschenkontakt und Erhaltung der natürlichen Scheu behandelt werden. Und für das Überleben des Wolfes müsse die Akzeptanz der Bevölkerung durch gutes Management erhalten bleiben.

Scharfe Kritik übt der hiesige Wolfsberater Winfried Müller am Wolfsbüro des Niedersächsischen Umweltministeriums: Nach seiner Gründung „wird die fachkundige Landesjägerschaft immer mehr ausgegrenzt, und die Wolfsberater sollen durch einen Maulkorberlass zum Schweigen gebracht werden“.

Für den fachkundigen Beobachter entstehe immer mehr der Eindruck, „dass wissenschaftlich fundierte Arbeit zum Wolfsthema durch Ideologie auch gesteuert von Naturschutzverbänden ersetzt wird“, schreibt Müller in seiner Stellungnahme zur Erklärung der Uslarer SPD, die die Anti-Wolf-Resolution als nicht zielführend kritisiert.

Müller erinnert daran, dass die Landesjägerschaft in Niedersachsen seit der Zuwanderung der Wölfe immer wieder betone, dass der Wolf im Naturschutzrecht und nicht im Jagdrecht angesiedelt ist und daher nicht bejagt werden dürfe. Dennoch habe die Jägerschaft federführend am Wolfsmanagement mitgearbeitet. Diese Aufgabe ist ihr im Jahr 2011 durch den damaligen Umweltminister Hans-Heinrich Sander in einer Kooperationsvereinbarung übertragen worden.

Dabei sei auch festgelegt worden, dass Wolfsberater aus den Jägerschaften die Arbeit vor Ort unterstützen. Fachkundig und wissenschaftlich fundiert habe die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft die Arbeit begleitet.

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