Niedersächsische Landesforsten stiften Baumstämme für Weser-Projektarbeit

Solling-Fichten fallen für die Weserflöße

Viel Handarbeit: Mitglieder der Vereinigung Weserflößer entfernen die Rinde von Fichtenstämmen, die später zu einem Weserfloß zusammengebunden werden sollen. Archivfoto: Siebert/nh

Neuhaus/Oberweser. Die Niedersächsischen Landesforsten stiften 35 Baumstämme für ein Weserfloß-Projekt. Das Holz stammt aus dem Forstamt Neuhaus im Solling und wurde Ende Mai in der Försterei Brüggefeld - oberhalb des Flusses - gefällt. Das teilt Michael Rudolph (Clausthal-Zellerfeld) als regionaler Pressesprecher des Landesbetriebes mit.

Die Fichtenstämme sind 20 Meter lang und müssen derzeit noch trocknen, bevor sie als Floß Anfang September zu Wasser gelassen werden. Die Weserflößer Reinhardshagen bauen aus den Solling-Fichten und weiteren Bäumen von Hessen-Forst ein Holzfloß nach historischem Vorbild.

Damit wollen Mitglieder des Vereins Weserflößer ab dem 4. September in mehreren Etappen von Reinhardshagen aus gut 200 Kilometer bis nach Minden auf Fahrt gehen. „Ziel der Weserfloß-Aktion ist es, Holz als regionales Produkt aus heimischen Wäldern zu präsentieren“, so Rudolph. Holz sei Rohstoff-Basis für zahlreiche mittelständische Betriebe und das örtliche Handwerk im Einzugsgebiet der Weser.

Früher seien „ganze Wälder in der Region“ bei der Flößerei auf Leine und Weser in Richtung Norden unterwegs gewesen. Heute werben Flößer und Forstleute für den nachwachsenden Rohstoff Holz. Die Weserflößer wollen die Stämme zu imposanten Flößen zusammenbinden. Sie folgen damit einer Jahrhunderte alten Tradition, die 1964 mit dem letzten kommerziellen Weserfloß zu Ende ging.

Die Geschichte der Flößerei im Solling reicht weit zurück. Zwei Floßteiche erinnern heute noch daran: Der 1680 erbaute Lakenteich liegt auf halber Strecke zwischen Uslar und Dassel. Der Neue Teich kam 1737 dazu. Seit dem Bau des Lakenteiches wurde im Solling Holz geflößt. Das Holz wurde nach Öffnung der Teichschotten auf einer Wasserwelle zunächst im Februar von den beiden Floßteichen über die Ilme bis Relliehausen bei Dassel transportiert.

Im April führte der Wasserweg von dort bis zur Leine. Im Sommer brachten dann die Flüsse Leine und Weser das Fichtenholz aus dem Solling nach Norden. Laut Pressesprecher Rudolph hat das Flößerei-Gesetz von 1895 noch heute Gültigkeit auf der Weser.

Ende kam mit von Seebach

Rund 100 Jahre lang wurde so die Flößerei im Solling ausgeübt, bis sie der Forstmann Christian von Seebach abschaffte, um Raubbau zu verhindern. Sie galt früher als „wilder Husarenritt“ oder als „Höllenritt der Holzknechte“. Die ehemaligen Floßteiche sind seit Jahren wertvolle Biotope für den Naturschutz.

Steckbrief

Der Solling wurde 2013 zu „Deutschlands Waldgebiet“ gewählt. Er hat eine Waldfläche von 38 500 Hektar, die die Region des östlichen Weserberglandes prägen. Der Solling gilt als Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum gleichermaßen.

Auch der Tourismus profitiert von dem Waldreichtum. Wanderer und Radfahrer nutzen das gut ausgeschilderte Wegenetz, heißt es von den Landesforsten.

Verschiedene Hochmoorstege und ein Hochseilgarten, ein Baumhaus-Hotel sowie der Erlebniswald und das Hutewaldprojekt, in dem weidende Heckrinder und Exmoorponys die lichten Eichenwälder erhalten sollen, bilden weitere Ausflugsziele.

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