Abenteuer und Albtraum: Uslarer Museum zeigt Ausstellung zur Schule im Wandel der Zeit

+
Blick ins Jahr 1953: Bürgermeister Torsten Bauer (von links), Leonie Kappel, Grundschullehrerin Sandra Rossel, Stadtarchivar Daniel Althaus und eine Besucherin der Ausstellungseröffnung betrachten das Foto einer Klasse der Uslarer Graftschule mit Lehrer Löhse aus dem Jahr 1953. 

Uslar. Jahrhunderte lang glaubten die Lehrer ihren Schülern nur mit Disziplin den Lehrstoff beibringen zu können. Neben dem Zeigestock spielte der Rohrstock eine zentrale Rolle und viele Kinder schlichen ängstlich in die Schule. Erst in den 1970er-Jahren wurde den Lehrern das Schlagen verboten.

„Zwischen Abenteuer und Albtraum“ lautet denn auch der Titel der neuen Ausstellung im Uslarer Museum, die seit Sonntag über den Schulanfang im Wandel der Zeit berichtet. Die Ausstellung widme sich einem Thema, zu dem jeder eine kleine Geschichte betragen könne, sagte Bürgermeister Torsten Bauer zur Eröffnung der Schau. Neben weiteren Einwohnern der Region hat Bauer ein Foto samt Erinnerungen an die eigene Schulzeit zur Ausstellung beigesteuert.

Alltag im Klassenzimmer

Über den Alltag im Klassenzimmer seit dem 18. Jahrhundert informieren Schautafeln mit kurzen Hintergrundtexten, zeitgenössische Quellen und viele Fotos. Dazu kommen alte Schulbücher und Schulmaterial von der Schreibtafel, alten Holzbänken und historischen Lehrtafeln bis hin zu einer präparierten Schlange.

Erinnerung: Leonie Kappel schrieb für die neue Ausstellung über ihre Einschulung im Jahr 2012.

Über die Entwicklung des Schulwesens bis heute berichtete Sandra Rossel, stellvertretende Leiterin der Grundschule Uslar. Ein wichtiges Datum war die Einführung der achtjährigen Schulpflicht durch Friedrich II. im Jahr 1763. Die Preußen hätten die Schulzeit aber nicht nur zur Wissensvermittlung, sondern als Vorstufe zur Militärzeit für die Jungen gesehen, hieß es. Den Schülern sollte Gehorsam beigebracht werden. Außerdem brauchte man gesunde Rekruten. Junge Männer, die schon als kleine Kinder hart arbeiten mussten, waren jedoch oft untauglich für das Militär. In armen Familien war die Arbeitskraft der Kinder jedoch oft nicht zu ersetzen. Bis ins 20. Jahrhundert habe Eltern oft die Einsicht für die Notwendigkeit von Bildung gefehlt. Der Unterricht sei als Zeitverschwendung angesehen worden, so Rossel. Viele Kinder hatten Angst vor der Schule und sahen den Lehrer als furchteinflößende Respektperson.

Schwer hatten es damals aber nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer. Viele Eltern hätten das Schulgeld nicht oder nicht vollständig aufbringen können, berichtete Sandra Rossel. Im 18. Jahrhundert waren die Lehrer darum auf weitere Einkünfte angewiesen.

Lohn reichte nicht

In Eschershausen habe der Lehrer seine Schüler vom Webstuhl aus unterrichtet, schilderte Rossel. Alle Dorfschullehrer waren Nebenerwerbslandwirte. In sehr armen Dörfern gab es das sogenannte Reihenessen. Das heißt, der Lehrer bekam jeden Tag in einem anderen Haus sein Mittagessen.

An die jüngere Vergangenheit erinnern in der Ausstellung Fotos und persönliche Geschichten. Die Tafel von Gerd Gail zeigt beispielsweise ein Bild von dessen Einschulung in Uslar im Jahr 1949 sowie Gails ersten Schultag als Lehrer im Emsland 19 Jahre später. Jüngste Unterstützerin der Schau war die neunjährige Leonie Kappel, die einen Text über ihre Einschulung im Jahr 2012 geschrieben hat. (shx)

Öffnungszeiten:

Geöffnet ist das Museum dienstags bis donnerstags von 15 bis 17 Uhr, freitags von 10 bis 12 Uhr sowie samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.