Mit 830.000 Euro im Zeit- und Kostenplan

Sanierung der St.-Johanniskirche im vollen Gange

Neue Glasscheiben zum Schutz: Die Reliefs der bis zu 600 Jahre alten Fensterscheiben (hinten) wurden in einem speziellen Verfahren in eine Negativform gebracht. Daraus wurden dann die mit den Umrissen des Fensterbildes versehenen Schutzscheiben (vorn) neu gebrannt und außen montiert.

Uslar. Filigrane und äußerst fachkundige Handwerksarbeit ist bei der Sanierung der Fassade und der Fenster im Chorraum der Uslarer St.-Johanniskirche nötig.

Zum Schutz der teils über 600 Jahre alten Kirchenfenster wurden außen neue Scheiben über Schablonen hergestellt und vorgesetzt. Die historischen Scheiben aus den drei Zeitepochen von 1415, 1450 und 1480/90 wurden in speziellen Metallrahmen mehrere Zentimeter nach innen versetzt und so zum Innenfenster. Das betrifft alle fünf fast chorraumhohen Fenster der Kirche, sagte Frank Wagner von der Göttinger Außenstelle des Amtes für Bau- und Kunstpflege, der die Sanierung betreut. Seit 1989 ist bekannt, dass der Chorraum der Kirche Sanierungsbedarf hat. Jetzt ist das Geld da und Klarheit über die Beschaffenheit der alten Fenster.

Fast ein Jahr lang wurde untersucht, analysiert, beobachtet und bestimmt. Schließlich geht es um den dauerhaften Erhalt und Schutz der Jahrhunderte alten Fenster mit biblischen Geschichten und Bildern.

Die historischen Innenscheiben sind fachmännisch und spannungsfrei saniert worden, teils seien Farben der Gläser mit dem Original nahen Farben retuschiert worden, nachdem zuvor alle Fehlstellen und Brüche akribisch aufgelistet waren.

Sanierung kostet 830.000 Euro

830.000 Euro hat das Landeskirchenamt in Hannover für die Sanierung der Fenster, der Fassade und des Daches im Chorraum der Kirche freigegeben. Zuschüsse gab es vom Landesamt für Denkmalpflege und von der Uslarer Kirchengemeinde. Die Fenstersanierung kostete rund 135 000 Euro, die Natursteinarbeiten 205 000 Euro.

Schadhafte Stellen der Natursteine, die laut Wagner aus Thüringen stammen, wurden von den Mitarbeitern der beauftragten Spezialfirmen herausgenommen und durch neu beschaffte Natursteine aus der gleichen Landschaft ersetzt.

Lose Stellen in den Fugen wurden zudem herausgenommen und mit „bauzeitlichem Mörtel“ (Analysen haben die Zusammensetzung ergeben) neu verstrichen.

Steinerne Verzierungen mussten teils in aufwendigen Verfahren nachgearbeitet und wieder standfest gemacht werden. Einige hat ein Bildhauer nach Vorlagen neu angefertigt und angepasst.

Kalkmörtel

Komplett abgedeckt war auch das Buntsandsteindach auf dem Gotteshaus. Nachdem der Dachstuhl mit neuen Dachlatten versehen war, wurden die noch intakten Sandsteinplatten wieder angebracht und fehlende durch das spezialisierte Dachdeckerunternehmen aus Lagerbeständen ergänzt. Von innen sind die Sandsteine mit Tierhaaren versehenem Kalkmörtel verstrichen worden.

„Wir sind voll im Zeit- und Kostenplan“, sagt Frank Wagner. Bis zum Reformationstag Ende Oktober soll der Innenraum des Gotteshauses wieder frei sein. Anfang Dezember sollen dann alle Arbeiten abgeschlossen und das Gerüst an der Fassade abgebaut sein.

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