Workshop zum Klimaschutz in Uslar: Energiesparen allein reicht nicht

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Klimafreundliche Energieversorgung: 40 Einwohner und Lokalpolitiker kamen zum Workshop ins Rathaus, um über die Energieversorgung der Zukunft nachzudenken. 

Uslar. „Mit kleinen Schritten ist es nicht getan.“ Dieses Fazit zog Ralf Mohr von der Uslarer Stadtverwaltung aus dem Workshop zur Energiezukunft. 40 Einwohner und Lokalpolitiker waren gekommen, um über eine klimafreundliche Energieversorgung der Stadt Uslar im Jahr 2050 nachzudenken.

Was stand auf dem Programm des Workshops?

Drei Gruppen erarbeiteten verschiedene Szenarien. Die Gruppe „Autark“ sollte überlegen, wie sich Uslar bis 2050 zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien selbst versorgen kann. Die Gruppe „Solidarisch“ sollte zusätzliche Energie zur Versorgung des städtischen Raums erwirtschaften, und die Gruppe „Ambitioniert“ noch mehr Energie zum Export.

Was ist aus der Gruppenarbeit mitzunehmen?

Die Arbeit in der Gruppe war spannend, formulierte es Ralf Mohr. Die Simulation habe gezeigt, dass es nicht nur mehr Energie erzeugt, sondern auch viel Energie gespart werden müsse. Zum Beispiel, indem die Wärmedämmung der Gebäude deutlich verbessert werde und Autos am besten mit Strom durch Photovoltaik vom eigenen Dach fahren sollten. „Wir haben gemerkt, wie schwierig das wird“, sagte Mohr. Um das Ziel zu erreichen, schlug die Gruppe „Autark“ beispielsweise eine Senkung des Strombedarfs um 50 Prozent im Vergleich zu 2013 vor. Der Wärmebedarf müsste bis 2050 um 45 Prozent, der Kraftstoffbedarf um 60 Prozent sinken.

Waren beim Workshop auch die gewünschten Windkraft-Kritiker mit dabei?

Trotz unterschiedlicher Interessen der Teilnehmer, die teilweise Windkraft, Bioenergie oder Freiflächen-Solaranlagen kritisch sahen, sei konstruktiv diskutiert worden, heißt von Seiten des Büros „merkWATT“, das den Workshop leitete und auch eine Vorlage für das vom Uslarer Stadtrat geplante Klimaschutzkonzept erarbeiten soll.

Gibt es ein Ergebnis von dem Abend?

Am Ende des Workshops herrschte Einigkeit: Eine klimafreundliche Energieversorgung Uslars sei nur möglich, wenn einerseits der Verbrauch von Strom, Wärme und Verkehr drastisch reduziert und andererseits der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werde. Alle Gruppen vom Workshopabend sprachen sich dabei für einen deutlichen Ausbau von Photovoltaik und Windenergie aus. Eine große Rolle müsse außerdem die Nutzung von Umgebungswärme für energetisch sanierte Gebäude mithilfe von Wärmepumpen einnehmen, hieß es.

In welche Richtung wurde noch diskutiert?

Diskutiert wurde auch das tägliche Mobilitäts- und Konsumverhalten. Dabei ging es speziell um Elektromobilität und (Elektro-)Fahrrad. Humorvoll sah es ein Teilnehmer und meinte: „Wenn ich in 2050 noch Auto fahre, möchte ich auf gar keinen Fall mehr zur Tankstelle müssen.“

Was passiert nach dem Workshop?

Die erarbeiteten Szenarien wurden Bürgermeister Torsten Bauer als Arbeitsmaterial für den Stadtrat übergeben. Es sind drei ambitionierte, durchaus realistische Szenarien entstanden, sagte Workshop-Moderator Michael Fuder von merkWatt. Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, „dass die Umsetzung ein langer Weg mit vielen mutigen Einzelschritten und Entscheidungen sein wird.“ (shx)

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