Verkehr wälzt sich durchs Dorf: Sohlinger leben in großer Sorge

Gefährlich: So geht es jeden Tag an der Bleichstraße in Sohlingen zu, die noch bis August Umleitungsstrecke für die Großbaustelle B 241 in Uslar ist. Die Anwohner, hier (von links) Uwe Weichert, Friedrich Klages, Dirk Hundsdörfer und Michael Krause, gehen auf die Barrikaden, weil fast alle Lastwagen verbotenerweise unterwegs sind und die Dachrinne zum Beispiel schon dreimal abgefahren haben.

Sohlingen. „Das ist reines Glück, dass noch nicht mehr passiert ist“, sagt Uwe Weichert, während sich wenige Zentimeter hinter ihm ein 40-Tonner durch die schmale Straße manövriert. Sein Nachbar Michael Krause zeigt nach oben: Dreimal schon ist von seinem Haus ein Stück Dachrinne abgefahren worden.

Weichert und Krause wohnen an der Bleichstraße in Sohlingen, die Straße, die von der Hauptstraße im Dorf hoch zur Firma Kordes und zum Knobben führt und wegen der Großbaustelle der Bundesstraße 241 in Uslar einzige regionale Umleitungsstrecke ist.

Auf der engen und kurvenreichen Dorfstraße tobt der Verkehr. Man hat schon nach wenigen Minuten das Gefühl, dass es gleich kracht. Weichert und Krause fordern für alle geplagten Bleichstraßenanwohner, dass endlich etwas passiert: Tempo 30 und eine bessere Ausschilderung.

Für Lkw eigentlich verboten

Das Problem ist vor allem der Schwerlastverkehr: Mit Ausnahme der Liefer-Lkw, die zur Firma Kordes fahren dürfen, ist der Lkw-Verkehr in der Bleichstraße verboten. Doch lange nicht alle halten sich daran. „Vor allem nachts knallen die hier mit Tempo 60, 70 durch“, sagt Michael Krause. Der eine Gully scheppert dann dermaßen, dass er schon senkrecht im Bett gesessen hat.

Die Navis zeigen nichts an

Und: „Die Baustelle ist nicht in die Navis eingegeben“, sagt Uwe Weichert. Die Lastwagen fahren aus Richtung Schönhagen bis Sohlingen durch und auch bis zum Kreisel in Uslar - ungeachtet der Umleitungsbeschilderung und des Verbots. Das Navi zeigt davon nichts an, erklärt Uwe Weichert, und dann geht’s einfach weiter über die viel zu enge Umleitungsstrecke Försterweg und Knobben und durchs Nadelöhr Bleichstraße.

Weichert hat einmal beim Fegen vor dem Haus in der Mittagszeit zwölf 40-Tonner gezählt, andere Nachbarn haben eine Stunde lang gezählt und kamen auf 148 und sogar über 200 Fahrzeuge, die die Bleichstraße passieren. Einige Autofahrer hupen ganz dreist, wenn die Nachbarn wie jetzt an der Straße stehen. Dabei gibt es gar keinen Bürgersteig.

Dirk Hundsdörfer zählt auf, dass in dem kleinen Abschnitt ohne Gehweg neun Kinder wohnen. Sie leben gefährlich. Krause hat die dritte Kollision eines Lastwagens mit seiner Dachrinne miterlebt und den weiterfahrenden Lkw verfolgt. Kurz vor Kammerborn habe er ihn eingeholt und zum Anhalten gebracht: „Da lagen noch die Ziegel auf dem Dach.“

Uwe Weichert stapelt mittlerweile Betonsteine in seine Garageneinfahrt, damit sie nicht als Ausweichbucht genutzt wird. An seinem Zaun gibt es schon drei Lackschäden.

Friedrich Klages flucht nicht nur wegen der Gefahr vor der Tür. Auch die Umleitungsstrecke Försterweg, die sich vor den Tennisplätzen in Einbahnstrecken teilt, ist seiner Meinung nach eine große Gefahrenquelle: Den Autos, die von oben kommen und Richtung Uslar fahren, würde oft die Vorfahrt genommen. Er würde die Einbahnstrecken einfach umdrehen.

Der erste Auffahrunfall

Kürzlich gab es den ersten Auffahrunfall. Er ging noch glimpflich aus. Weichert, Krause und Co. wollen den Zustand nicht mehr hinnehmen. Sie fordern die ihrer Meinung nach zuständige Stadt auf, etwas zu unternehmen. Auch die Polizei haben sie schon angerufen. Doch passiert sei so gut wie nichts. Der eine schiebe die Verantwortung auf den anderen, heißt es in der Bleichstraße. Sie wollen aber nicht aufgeben. Denn die Baustelle bleibt noch bis Ende August.

Das sagt die Uslarer Polizei

Uslars Polizeichefin Martina Stülzebach berichtet, dass ihre Beamten und sie selbst seit Einrichtung der Baustelle etliche Gespräche mit betroffenen Anwohnern und Verkehrsteilnehmern geführt haben und die besondere Belastungssituation für die Anwohner der Bleichstraße in Sohlingen durchaus gesehen wird. Ein sicheres Durchfahren der Bleichstraße sei durch die baulichen Begebenheiten und die dort geltende rechts vor links Vorfahrtsregelung nur möglich, wenn langsam und rücksichtsvoll gefahren werde.

Ein Tempolimit durch Aufstellen eines weiteren Verkehrsschildes wird deshalb als nicht zielführend angesehen, sagt Martina Stülzebach. Die größte Belastung gehe in der Bleichstraße von durchfahrenden Lkw aus. Die Einhaltung der Tonnagebegrenzung ( 7,5 t) und der Ausnahmeregelung für Lieferfahrzeuge werde sowohl in Uslar als auch in Schönhagen, Kammerborn und Sohlingen durch gezielte Verkehrskontrollen von der Polizei überwacht.

Uslars Polizeichefin appelliert ausdrücklich an alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere im Bereich der Bleichstraße defensiv und rücksichtsvoll zu fahren.

Das sagt Uslars Bürgermeister Torsten Bauer

Es war von Anfang klar, dass die Bleichstraße in Sohlingen besondere Belastung erfährt, sagt Uslars Bürgermeister Torsten Bauer. Leider werde das mit dem Straßenbauamt und dem Landkreis entworfene Konzept mit der großräumigen Umleitung des Schwerlastverkehrs unterlaufen. Man halte sich nicht daran. Es wäre sonst eine deutliche Entlastung.

Er könne deshalb nur an alle Verkehrsteilnehmer appellieren, sich an die Regeln zu halten, die Geschwindigkeit anzupassen, vorsichtig zu fahren und noch mehr aufzupassen. Das Ordnungsamt und der Landkreis waren mehrfach vor Ort. Die Stadt habe dabei auch erreicht, dass extra Schilder für die großräumige Umleitung aufgestellt wurden. Er selbst habe zum Beispiel erlebt, das Autofahrer falsch im Einbahnverkehr zwischen Sohlingen und Uslar unterwegs waren.

Die Stadt achte jetzt vor allem darauf, dass die Bauzeiten eingehalten werden und gehe davon aus, dass die Baustelle wie angekündigt Ende August beendet werde.

Das sagt das Straßenbauamt Gandersheim

Das Straßenbauamt in Bad Gandersheim ist nur für die Baumaßnahme der Bundesstraße B 241 in Uslar zuständig, sagt Udo Othmer, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Gandersheim. Er fügt hinzu, dass bei solchen Baustellen wie in Uslar gleichwohl mit allen Beteiligten vorher gemeinschaftlich die Umleitungsstrecken festgelegt werden. Zuständig für die Bleichstraße in Sohlingen als Verkehrsbehörde ist laut Othmer allerdings die Stadt Uslar.

Zur Baustelle selbst sagte Othmer auf Anfrage, dass ihm zum Zeitplan bisher keine Änderungen bekannt sind: Bis Ende August soll der Abschnitt zwischen Kreisel und Ortsausgang Richtung Sohlingen erneuert sein.

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