Verlorene Heimat: Heimatstube in Uslar soll Erinnerung wach halten

Heimatstube: Ein Blick auf die Exponate genügte, um bei den Heimatvertriebenen aus Schlochau viele Erinnerungen wach werden zu lassen. Foto: Porath

Uslar. Erstmals hatte der Heimatkreis Schlochau zum „Treffen der Schlochauer“ nach Uslar eingeladen. Dazu gab es einen guten Grund: Vor den Gästen unterzeichneten Bürgermeister Torsten Bauer und Martin Jaster, stellvertretender Vorsitzender des Heimatkreises, den Vertrag zur Heimatstube.

„Es werden immer weniger“, bedauerten viele der rund 60 aus dem Kreis Schlochau stammenden Heimatvertriebenen und deren Nachfahren. Vor mehr als 60 Jahren, als man sich zum ersten Mal getroffen hatte, seien es noch 2500 Menschen gewesen, die sich gemeinsam an die verlorene Heimat erinnern wollten. Nach Uslar war der kleiner gewordene Kreis jetzt gekommen, weil die Heimatstube und das Archiv der Schlochauer seit 2014/2015 von Northeim hierher verlagert wurden.

Die Heimatstube war denn auch ein beliebtes Ziel des Tages. Viele machten sich gleich nach den Grußworten des ersten Kreisrates Dr. Hartmut Heuer auf in den Anbau des Museums, um den neu gestalteten Raum zu sehen. Stadtarchivar Dr. Daniel Althaus hatte extra drei neue Ausziehtafeln gestalten lassen, die mit Texten über die Burg, die Stadt und die Vertreibung informieren und die Geschichte zu den Exponaten liefern.

Für die Schlochauer, die ihre Heimat noch kennengelernt haben, reicht ein Blick auf die ausgestellten Friedhofstafeln, Kirchenfenster, Münzen oder auch die nachgebaute Miniaturstadt. „Da steht unser Haus“, heißt es, oder „Da wohnen wir bei Anna, wenn wir zu Besuch in Schlochau sind“. Auch die immer noch schmerzenden Erinnerungen an die Flucht lassen nicht lange auf sich warten. Damals habe so viel Schnee gelegen, dass die Pferde eingesunken seien oder sich an dem harten Eiskanten die Fesseln aufgeschnitten hätten.

Dann habe man abspannen und mit dem wichtigsten Gepäck zu Fuß weiterziehen müssen. Einzig die Bauern, die schon Traktoren besaßen, seien voran gekommen. Andere erzählen davon, wie man noch in der Stadt den Geschützdonner der nahenden Front hören konnte, bevor es den Menschen endlich erlaubt wurde, die Stadt zu verlassen.

Familienforchung im Archiv

Einige Teilnehmer nutzen die Treffen auch, um Familienforschung zu betreiben oder sich zu informieren, wie sie mehr über ihre Vorfahren erfahren können. Viele Details dazu finden sich im Schlochauer Archiv, dass sich jetzt im Uslarer Stadtarchiv befindet. Das Archiv gilt als eine wichtige Anlaufstelle für die Arbeit des Heimatkreises und wird nach Auskunft von Daniel Althaus häufig nachgefragt.

Wichtig sei es jetzt, da die Schlochauer, die noch in Pommern geboren sind, alt sind oder bereits gestorben, die Erinnerung wach zu halten. Dabei sollen Heimatstube und das Archiv helfen und dafür stehen sie allen Interessierten zur Verfügung. Das offizielle Programm an einem Tag voller Erinnerungen endete mit dem Pommernlied, das von den Schlochauern jeder mitsingen kann. (zyp)

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