So viele Schwalben wie nie nisten an Haus in Offensen

Hungrige Mäuler: Unter dem Dachüberstand des Hauses an der Verliehäuser Straße in Offensen haben Mehlschwalben 16 Nester gebaut. Etliche Junge warten noch ungeduldig auf Futter. Fotos: Schmidt-Hagemeyer

Offensen. Im Frühling warten wir auf die ersten Schwalben. Doch am eigenen Haus sehen viele die Nester der insektenfressenden Flugakrobaten nicht gern.

Auch Erika und Lothar Giebert aus Offensen stört der Vogelmist, der an der Wand ihres Hauses aus dunkelroten Ziegeln gut zu sehen ist. Trotzdem dürfen die Schwalben bleiben. „Ich freue mich, wenn sie zwitschern“, sagt die Hausherrin.

Und während allgemein von immer weniger Schwalben die Rede ist, werden es in Offensen mehr. Seit 30 Jahren wohnen Gieberts an der Hauptstraße im Dorf. Schon immer nisteten Mehlschwalben unter dem Dach. „Aber so viele Nester haben wir noch nicht gehabt“, erzählen Erika und Lothar Gibert. 16 Nester haben sie gezählt.

Schwalben statt Blumen

Einige sind bereits leer, weil die Jungen schon flügge sind. Doch aus mehreren Lehmbauten schauen noch hungrige Mäuler hervor und Altvögel schleppen unentwegt Futter heran. Die große Zahl der Jungvögel hinterlässt natürlich Spuren. Erika Giebert verzichtet darum auch inzwischen darauf, in den Kästen im Obergeschoss Blumen zu pflanzen. Denn Pflanzen vertragen den Kot der Tiere nicht. Stattdessen dienen die Blumenkübel nun als Mistfänger.

Auf Anraten von Experten haben Gieberts unter einigen Nestern ein Brett angebracht, um den Kot aufzufangen. Zusätzlich wird jeden Tag gewischt. „Es ist schon viel Arbeit“, sagt Erika Giebert und weist auf das weiß gestrichene Tor, das der Schwiegersohn mit dem Hochdruckreiniger bearbeiten musste. Doch trotz der Mühe freuen sich Erika und Lothar Giebert über die Sommergäste, die unbeirrt weiter ihre Nester anfliegen, auch wenn oben jemand aus dem Fenster schaut.

Im April warte sie jedes Jahr auf die Ankunft der Schwalben, berichtet die Offenserin und ist fasziniert vom Können der Zugvögel. „Wir brauchen ein Navi etc. und die finden einfach so zurück.“ So um den 20. September machen sich die Schwalben jedes Jahr auf den Weg in den Süden. Sie ärgere sich, wenn sie höre, dass die Vögel in manchen Ländern dort mit Netzen gefangen oder erschossen würden, sagt Erika Giebert.

Plakette vom Nabu

In Offensen werden die Schwalben jedenfalls auch im nächsten Jahr wieder nisten dürfen. Vom Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen wurde das Paar unlängst für für sein Engagement um den Schwalbenschutz ausgezeichnet. „Hier sind Schwalben willkommen“ steht auf einer Plakette, die neben der Haustür hängt. Außerdem freuen sich Erika und Lothar Giebert über eine Urkunde des Nabu. (shx)

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