Folke Ludewig legte 4229 Kilometer mit seinem Karren zurück

Müde Füße ausruhen: 4229 Kilometer legte Folke Ludewig zu Fuß in sechs Monaten zurück.

Weiden / Röhrig. Es klingt unglaublich, aber Folke Ludewig sagt ganz klar: „Das war meine letzte große Tour."

13 Jahre lang zog der Abenteurer aus dem Badestädter Stadtteil Weiden durch ganz Europa, legte zuletzt 4229 Kilometer zurück, einzig begleitet von seinem zweirädrigen Handkarren samt nötigstem Gepäck.

All das soll jetzt vorbei sein? „Ja, zumindest in der Länge und außerhalb Deutschlands“, sagt der durchtrainierte und braun gebrannte Mann, der in wenigen Tagen seinen 60. Geburtstag feiert. Gerade kommt er von seiner Abschlusstour zurück, die ihn sechs Monate lang über zwei Jakobswege von Sevilla in Spanien über Frankreich bis zurück nach Bad Sooden-Allendorf führte.

Auf seiner Reise trotzte er Hitze, Dauerregen, Wintereinbrüchen, aber auch Insektenstichen, Flohbissen und Fröschen im Schlafsack. Er überwand 1500 Höhenmeter, verzichtete auf jeden Komfort, schlief viele Nächte im Freien, speiste in überdachten Bushäuschen und duschte manchmal tagelang nicht - aber er war gesund und frei.

Extrem-Wanderer Folke Ludewig ist zurück

„Trotzdem war diese Tour meine mit Abstand härteste“, sagt Ludewig. „Das Wetter war oft so schlecht, da kommt man an seine Grenzen.“ Gesundheitliche Gründe hat der Schlusspunkt aber nicht. „Ich war auf meiner Tour nicht einmal krank, hatte nicht mal einen Schnupfen. Aber ich will meinen Körper auch nicht kaputt laufen. Bislang hatte ich immer Glück. Vielleicht sollte man es nicht zu sehr herausfordern.“

Das hat ihm schon seine Oma geraten, erzählt er lachend. „Junge, hör’ auf wenn’s am schönsten ist, hat sie immer gesagt.“ Und auf Großmütter soll man hören. Denn in einem Punkt hat sie schon jetzt recht: Es war schön. „Auf dieser Reise habe ich so viele tolle Menschen kennen gelernt, dass ich bedaure, zu den allermeisten keinen Kontakt halten zu können. Ich habe packenweise Visitenkarten!“

Hilfsbereit seien fast alle gewesen, denen er begegnete. Viele boten ihm Unterschlupf in ihren Scheunen, Schuppen und Gewächshäusern an, aber auch in den Gästezimmern ihrer Wohnhäuser. „Bei manchen aß ich mit am Tisch, durfte das Bad benutzen und bekam sogar meine Wäsche gewaschen. Das war mir fast schon unangenehm. Schließlich kann ich den Leuten ja nichts zurückgeben.“

Wintereinbruch auf dem Jakobsweg in Spanien: Dicker Schnee und Minusgrade erwischten den Wanderer Folke Ludewig bei Astorga. Das oft schlechte Wetter machte die letzte Tour zu einer körperlichen Herausforderung für den 59-Jährigen.

Diese Herzlichkeit hat ihn stärker beeindruckt als die Weite der Landschaft entlang der Jakobswege und die Tiefe der Schluchten de Vil und de l’Ardèche in Frankreich. Das Interesse war oft so intensiv, dass er sogar Begleiter bekam. In Ornans, 150 Kilometer vor der deutschen Grenze, nahm eine Bauern-Familie den Wanderer auf. „Die Kinder, elf, 13 und 15 Jahre alt, wollten unbedingt ein Stück mitlaufen.“ Die Eltern erlaubten es und Ludewig legte mit den Dreien 15 Kilometer zurück. „Sie schoben meinen Karren und stellten mir viele Fragen, das war toll!“

Und was kommt jetzt? „13 Jahre Lauferei, das war eine sehr emotionale Phase. Aber es gibt noch anderes zu entdecken“, sagt Ludewig. Was? Das lässt er auf sich zukommen.

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