Fund wurde bei Baggerarbeiten geborgen und achtlos liegen gelassen

Rentner entdeckte 200 Jahre altes Stück einer Wasserleitung aus Ton

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Geschichtsträchtiger Fund: Aus dem Jahr 1827 stammt das Teilstück einer tönernen Wasserleitung, das Bruno Paschkowski (von links) an Bürgermeister Frank Hix übergab. Zum Teil noch ältere Stücke zeigen Stadtwerke-Chef Wolfgang Grunewald und Heimatforscher Gerhard Rademacher. 

Bad Sooden-Allendorf. Ein fast 200 Jahre altes und 50 Zentimeter langes Teilstück einer Wasserleitung aus Ton hat der 67-jährige Rentner Bruno Paschkowski am Zimmersweg in Allendorf entdeckt.

Der halbe Meter Stadtgeschichte wandert jetzt ins Museum am Söder Tor. Im Beisein des Heimatforschers Gerhard Rademacher und des Stadtwerkechefs Wolfgang Grunewald, übergab Paschkowski das historische Zeugnis der Wasserversorgung aus früheren Zeiten an Bürgermeister Frank Hix.

Für die Übergabe der mehrere Kilo schweren und in Großalmerode hergestellten Röhre mit einem Durchmesser von 7,5 Zentimetern hätte sich das Quartett einen beziehungsreicheren Ort nicht aussuchen können: den Zimmersbrunnen in Allendorf, besser bekannt als der oft besungene „Brunnen vor dem Tore“. Der wird nämlich vom Zinnborn gespeist, einer Quelle, die nördlich vom Klausberg dicht unterhalb der früheren Richtstätte der Stadt entspringt. Die Bezeichnung „Am Siebenborn“ für eine erst vor wenigen Jahren gebaute Straße im Neubaugebiet „Auf dem Wassergraben II“ steht in direktem Bezug zum Zinnborn.

Paschkowski, der den Zimmersweg als Zufahrt zu seinem höher gelegenen Gartengrundstück regelmäßig benutzt, hatte das Stück Wasserleitung letzten Monat zufällig gefunden. Im Zuge der Erschließung neuer Baugrundstücke war es von einem Bagger ausgebuddelt und achtlos liegen gelassen worden. Hix lobte auch die Aufmerksamkeit des 67-Jährigen, der den verdreckten und mit Erdreich voll gestopften Fund sicherstellte.

Zum Ortstermin hatte Rademacher auch ein noch weitaus älteres Teilstück einer Wasserleitung mitgebracht, das er vor zwei Jahren im Hainsbachtal gefunden hatte. Diese handgeformte und 30 Zentimeter lange Tonröhre stammt aus dem Jahr 1554 und versorgte einst den Marktbrunnen mit Frischwasser. Das kam aus einer Quelle im Asbacher Tal unterhalb der Hainsmühle. Damals, so ist überliefert, gab es in Allendorf 16 Zapfstellen, die laut Rademacher „Zaitenstöcke“ genannt wurden, weil durch die erste Tonleitung das kostbare Nass nur von Zeit zu Zeit durchgelassen wurde. In noch früheren Zeiten verwandte man Holzrohre für die Wasserleitung. Deren Lebensdauer war naturgemäß stark begrenzt. Heute, so Grunewald, fließt das Trinkwasser durch Kunsstoffrohre aus Polyethylen. Die haben einen Durchmesser von 25 Zentimetern, werden miteinander verschweißt und sollen mindestens 70 Jahre halten. 

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