Der Beginn einer dauerhaften Freundschaft

Flaschenpost als Grundstein für Freundschaft zwischen Ost und West

+
Wiedersehen schon ein Jahr nach dem ersten Treffen: Mutter Christa Hunstock (von links), die damals 13-jährige Erika - hier mit Bruder Michael - und Reinhard Winter.

Oberrieden. Über eine Flaschenpost haben sie sich vor 55 Jahren kennen gelernt: Erika aus Deutschland-Ost und Reinhard aus Deutschland-West.

Es war der Beginn einer dauerhaften Freundschaft, die auch heute noch von beiden Familien gehegt und gepflegt wird.

An jenen Tag kann sich Reinhard Winter (68) aus Oberrieden, einem Stadtteil von Bad Sooden-Allendorf im Werra-Meißner-Kreis, noch ganz genau erinnern. Es war im Monat des Mauerbaus in Berlin, als der damals 14-Jährige am Rand der Hochwasser führenden Werra auf einer Wiese ganz in der Nähe seines Heimatortes glitzerndes Glas entdeckte, das der Fluss an Land gespült hatte: Eine Flaschenpost mit einem Zettel, auf dem lediglich eine Adresse aus Frankenroda stand, einem 400-Seelen-Nest an der Werra zwischen Treffurt und Creuzburg in der damaligen DDR.

Noch frisch: Diese Aufnahme, die Erika Kämmerer und Reinhard Winter zeigt, entstand erst am 10. August dieses Jahres in Frankenroda.

Neugierig, wer sich hinter dem Namen verberge, meldete sich Reinhard mit einem kurzen Brief, den der Postbote einem acht-jährigen Mädchen aushändigte: Erika Hunstock, die seit ihrer Heirat Kämmerer heißt. Das war der Beginn einer Freundschaft fürs Leben. Wirklichkeit werden konnte dieses deutsch-deutsche Märchen nur, weil der Fluss keine Grenzen kennt und die Flaschenpost wegen des hohen Pegelstandes nicht im Ufergestrüpp hängen blieb. Vier Jahre lang gingen Briefe von hüben nach drüben und umgekehrt, bis Reinhard mit 18 Jahren einen Reisepass erhielt, der vorgeschrieben war, um in den anderen Teil Deutschlands zu gelangen.

Am 30. Mai 1965 war es endlich soweit. Mit einem fünf Tage gültigen Visum in der Tasche reiste der junge Mann per Bahn über Bebra nach Eisenach und mit dem Bus weiter nach Frankenroda, Luftlinie nur 35 Kilometer von Oberrieden entfernt.

Da die jungen Leute längst Fotos ausgetauscht hatten, wurde Reinhard von der inzwischen zwölfjährigen Erika sofort erkannt und traf auf eine Familie, deren „große Herzlichkeit nicht zu beschreiben“ war, wie er sich erinnert.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.