Landkreis liefert Argument gegen Steuer: „Für Naturschutz sind Pferde wichtig“

Wichtiger Job: Weil es nicht mehr genügend Schafe und Rinder im Werra-Meißner-Kreis gibt, ist der Fachbereich Landwirtschaft beim Landkreis interessiert daran, dass Pferde die Kulturlandschaft an der Werra frei von Büschen und Sträuchern halten. Archivfoto: Kopietz

Bad Sooden-Allendorf. Dem Aspekt des Naturschutzes wird in der Diskussion um Änderungen bei der Pferdesteuer in Bad Sooden-Allendorf neuerdings eine größere Rolle eingeräumt.

Pferde würden beim Umsetzen von Vertragsnaturschutz-Projekten immer bedeutsamer, weil der Bestand an Rindern und Schafen in der Landwirtschaft zurückgehe, hatte der Agrar-Ingenieur Gerhard Müller-Lang vergangene Woche in der Finanzausschusssitzung den Kommunalpolitikern die Bedeutung der Tiere erläutert.

Gerade in Bad Sooden-Allendorf, so führte der Leiter des Fachbereichs Landwirtschaft des Werra-Meißner-Kreises aus, gebe es vergleichsweise viel Grünland. Und das dürfe möglichst nicht verbuschen, sondern müsse bewirtschaftet, zumindest aber beweidet werden, damit die Landschaft offen gehalten wird. Beispielsweise auf ungünstig geschnittenen Flächen oder nicht mähbaren Standorten sei der Einsatz von Schafe und Pferden wichtig.

Der Landkreis arbeitet laut Müller-Lang mittlerweile mit gut 50 Haupt- und Nebenerwerbs-Landwirten im Bereich Bad Sooden-Allendorf zusammen, per Vertrag hat er sich deren Mithilfe zum Erhalt der biologischen Vielfalt der offenen Landschaft gesichert, insbesondere durch die extensive Bearbeitung. Und die Pferde, sagt er, leisteten einen ganz wesentlichen Beitrag - im Raum Bad Sooden-Allendorf haben sie bislang sogar einen doppelt so hohen Anteil an den Umweltmaßnahmen wie auf Kreisebene. Sorge bereitet Müller-Lang, dass die Zahl der Pferde in der Badestadt seit Einführung der Pferdesteuer von 199 auf 130 zurückgegangen sei.

Die Argumente blieben nicht ungehört: In der Parlamentssitzung am Freitagabend stimmte die Grünen-Fraktion einer Diskussion um die Pferdesteuer im Finanzausschuss zu, wie der Stadtverordnete Martin Herrmann sagte, nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch wegen der ökologischen Aspekte, des Klimaschutzes und der touristischen Vermarktung der Landschaft im Werratal.

Die negativen Einflüsse der Pferdesteuer auf den Landschafts- und Naturschutz sei bislang nicht berücksichtigt worden, war der Antrag von FWG und FDP auf Befreiung der Nebenerwerbslandwirte von der Steuer unter anderem auch begründet worden.

Und die Freizeitnutzung von Pferden, womit das Erheben der Steuer begründet wird, bestehe bei den Weidetieren, die weder geritten noch gefahren werden, nur in einem, wie FWG-Stadtverordneter Christian Faßhauer sagte: hin und wieder mal streicheln. (sff)

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