Konzert in Bad Sooden-Allendorf

Nordhessens Fleischer kennt er: Popmusiker Laith Al-Deen im Interview

Verfechter der deutschen Sprache: Seit 14 Jahren ist Laith Al-Deen im Musikgeschäft und singt ausschließlich auf deutsch.

Bad Sooden-Allendorf. Was Laith Al-Deen mit Nordhessen verbindet und wieso er ein Verfechter der deutschen Sprache ist - darüber haben wir mit dem Popmusiker gesprochen.

Mit seiner Wieder-Unterwegs-Tour gastiert Laith Al-Deen am Freitag, 30. September, auch in Bad Sooden-Allendorf.

Sie spielen zum ersten Mal in Bad Sooden-Allendorf, generell erstmals im Werra-Meißner-Kreis. Kennen Sie die Region?

Laith Al-Deen: Wir haben schon ein paar Mal in Kassel gespielt und sind dabei durch den Werra-Meißner-Kreis gefahren. Außerdem haben wir drei Marburger in der Band, mit denen ich schon Ausflüge zu diversen Landmetzgereien gemacht habe.

Werden Sie auch Zeit haben, sich die Kurstadt anzusehen?

Al-Deen: Es wird recht stressig. Wir reisen zum Soundcheck an, spielen das Konzert und dann geht es schon wieder zurück ins Hotel. In der Regel klappt es leider nicht, abends nochmal wegzugehen.

Sind Sie irgendwo vor Ort untergebracht?

Al-Deen: Das kann ich nicht sagen. Nicht, weil ich nicht will, sondern weil ich es nicht weiß. Ich bin Jurymitglied bei „Dein Song“ auf Kika und damit gerade so beschäftigt, dass ich die Planung für die Tour abgegeben habe.

Dabei haben Sie mal gesagt, dass Sie nicht so der Typ Star sind, der sich gern in Fernsehshows präsentiert.

Al-Deen: „Dein Song“ ist ein Komponisten-Wettbewerb, der sehr familienbezogen und fairnessbasiert ist. Die Jugendlichen wissen, dass sie danach keine Stars sind. Es ist netzwerken, aber im entspannteren Rahmen, was die Protagonisten betrifft. Weniger Hype, mehr Inhalt.

Also suchen Sie sich die Shows ganz genau aus?

Al-Deen: Ja, ich habe schon einiges abgelehnt, denn es läuft meist eher auf die Bewerbung der eigenen Person hinaus. Natürlich wird man dann nicht mehr so oft angefragt. Aber ich stelle meine Person nicht vor die Musik, sondern bin eher für die klassische Kombination. Ich kann gut damit leben, dass meine Musik dadurch an manchen Stellen weniger wahrgenommen wird.

Schon traurig, dass das so ist.

Al-Deen: Wenn man es als medial negativen Trend sehen will, ja. Es ist auf jeden Fall ein Trend, transparent zu werden, sehr mitteilbar zu sein, sein Umfeld über soziale Netzwerke einzubinden. Das Schöne ist aber, dass man den Grad davon selbst bestimmen kann. Gossip macht immer Spaß, aber man muss ihn auch liefern wollen - das war noch nie so meins. Mein Umfeld arbeitet hektisch daran, das zu ändern.

Sie haben mal gesagt, dass alle, außer den Deutschen selbst, sehen, dass Deutsch eine sehr reiche Sprache ist. Haben wir Deutschen also kein Selbstbewusstsein?

Al-Deen: Die Deutschen hatten lang genug kein Selbstbewusstsein. Die Nachkriegswehen in der Außendarstellung der deutschen Kultur sind nach wie vor spürbar. Bestimmte deutschsprachige Themen haben einfach nicht stattgefunden mit der Begründung „Interessiert doch keinen“. Doch vor allem in den letzten zwei Generationen hat sich das geändert.

Auch in Bezug auf deutschsprachige Musik, deren Verfechter Sie sind?

Al-Deen: Ja genau. Es läuft ordentlich, hat fast etwas Trendiges. Ich kriege aus allen Altersklassen mit, dass die Leute auf deutschsprachige Songs abfahren.

Sie sind in den USA aufgewachsen und sind nicht dem „amerikanischen Blingbling“ verfallen?

Al-Deen: Ich habe nur meine Kindergarten- und Vorschulzeit in den USA verbracht. Außerdem gibt es ja auch deutsches Blingbling. Es gibt in Deutschland zu gute Leute und zu gutes Material, um anderen hinterherzulaufen. Generell sollte man kulturelle Aspekte ernst nehmen. Keine Situation macht das deutlicher, als die aktuelle Flüchtlingssituation.

Im Radio höre ich Ihre Musik trotzdem nahezu gar nicht.

Al-Deen: Es geht nicht darum, dass die Musiklandschaft in Mainstreamsendern bunter wird. Das wird nicht passieren - erst, wenn sie merken, dass das Internet sie abhängt. Das passiert gerade und daher rudern sie zurück. Immerhin werden die Hörer jetzt an deutschsprachige Musik herangeführt. Trotzdem findet beispielsweise Udo Lindenberg, der auf dem Zenit seines Schaffens ist und ganze Stadien füllt, im Radio nicht statt. Die Sender sind so hörerangepasst, dass es schon wehtut.

Sind sie wirklich hörerangepasst? Ich finde, sie klingen nahezu alle gleich.

Al-Deen: Weil sie meist den gleichen Berater haben. Das merkt man, wenn man bei allen den gleichen dummen Werbeslogan hört. Die meisten hören während der Arbeit Radio. Daher wird versucht, das Programm so zu gestalten, dass es niemandem weh tut. Dafür habe ich kein Verständnis.

Sie haben mal gesagt, dass Sie auf ältere Sachen von Prodigy abfahren. Wie passt deren Elektropunk denn mit ihrer Musik zusammen?

Al-Deen: Eins schließt das andere doch nicht aus. Musik ist ein Ausdruck von Emotionen, dabei ist das Genre egal. Ich bin mit Metall groß geworden und auch Techno ist genug durch meine Ohren geflossen.

Und doch sind Sie Ihrem Stil bisher treu geblieben.

Al-Deen: Es ist ein Wert, den man feiern kann. ACDC, von denen ich ein großer Fan bin, machen beispielsweise seit drei Jahrzehnten das Gleiche, deren Musik erkennst du sofort. Sich neu zu erfinden, stilistisch anders darzustellen, klappt zudem nur bei den wenigsten. Madonna und Beck haben es geschafft.

Keine Lust, mal auszubrechen?

Al-Deen: Auf der Platte ist das eher schlecht, aber auf Konzerten natürlich. Grad bei alten Songs sind Variationen von Rock über R’n’B bis hin zur Drum-Bass-Kombo dabei. Das fordert zwar das Publikum, aber gerade bei einem Konzert muss ja nicht alles nachvollziehbar sein.

Alte Songs, das heißt, Ihre Fans können sich auch auf „Bilder von dir“ freuen?

Al-Deen: Klar, es gibt ein Kontingent, das gespielt werden muss, weil es viele erwarten. Das geht mir auf Konzerten genauso. Wir werden aber natürlich auch viele Stücke der neuen Platte spielen, auf die die ganze Band stolz ist.

Nervt es nicht auch ein bisschen, gewisse Lieder immer spielen zu müssen?

Al-Deen: Manchmal schon. Dagegen hilft das Umbauen der Lieder. Wir spielen „Bilder von dir“ auf keiner Tour gleich. Wenn die Leute es infrage stellen, gehen wir auch währenddessen noch mal ran.

Karten und Bonus für HNA-Abonnenten

Karten für den Auftritt am 30. September ab 20 Uhr im Kultur- und Kongresszentrum in Bad Sooden-Allendorf gibt es für 42 Euro in der HNA-Geschäftsstelle in Witzenhausen, Walburger Straße 2, oder über www.tickets.hna.de. Abonnenten zahlen nur 39 Euro. 

Weitere Vorverkaufsstellen: Tourist-Information Bad Sooden-Allendorf, Landgraf-Philipp-Platz, Tel. 05652/ 95870, alle Reservix-Vorverkaufsstellen und online unter www.bad-sooden-allendorf.de. Als Vorband wird der schweizer Singer-Songwriter Damian Lynn auftreten.

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