Pater Lukas aus Nigeria betreut Katholiken in Bad Sooden-Allendorf

Wer oder was kommt nach ihm?: Nur für zwei Jahre bleibt Pater Lukas als katholischer Seelsorger in Bad Sooden-Allendorf. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Die Katholiken in Bad Sooden-Allendorf haben einen neuen Pfarrer, der für zwei Jahre in die Badestadt abgeordnet wurde.

Wo er denn genau aus Nigeria herkomme, wollte einer seiner Amtsbrüder wissen, nachdem Pater Lukas soeben feierlich in sein Amt eingeführt worden war. Zum Schein mustert sich der Afrikaner selbst von oben bis unten und sorgt mit seiner Antwort für allgemeine Heiterkeit. „Ich komme aus dem Schwarzwald“, lächelt der dunkelhäutige Gottesmann mit einem Augenzwinkern zurück. Erfrischenden Humor hat der Nachfolger von Pfarrer Norbert Bergmann, der kürzlich von der katholischen Pfarrgemeinde St. Bonifatius in den Ruhestand verabschiedet worden ist.

Allerdings: Nur auf Zeit ist Pater Lukas Seelsorger in der Badestadt. Für zwei Jahre hat das Bistum Fulda ihn hierher beordert. So lange dauert seine Auszeit, die er sich als Spiritaner bei der weltweit agierenden Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist genommen hat und die er alle sieben bis acht Jahre beanspruchen kann. Wer oder was nach ihm kommt, steht in den Sternen.

Genau genommen ist der Doktor der Theologie mit verschiedenen internationalen Gastprofessuren als so genannter „Subsidiar“ der verlängerte Arm von Pfarrer Hans-Jürgen Wenner, dem neben den Pfarrgemeinden Witzenhausen und Hebenshausen jetzt auch Bad Sooden-Allendorf zugeordnet wurde.

Doch nicht nur feiner Humor zeichnet den Interimspfarrer aus, dem man seine 72 Jahre beileibe nicht ansieht. Das Gesicht fast faltenfrei, hinter der silberfarbenen Brille hellwach blitzende Augen und fast wie ein junger Hüpfer, wenn’s nach dem Klingeln an der Haustür die Treppe herunter geht - der Mann war schon immer Sportler und ist es noch heute. Das haben auch die örtlichen Tenniscracks schon spitz gekriegt, die ihn zu einem Herren-Doppel holten. Neben Tennis gehört sein Sportler-Herz dem Fußball. Früher, zu Zeiten von Günter Netzer und Rainer Bonhof, war Mönchengladbach seine Lieblingsmannschaft, heute ist es Borussia Dortmund. Und als junger Mann hat er selbst gekickt. Der frühere Kapitän der Schulmannschaft spielte im Sturm. Nur: „Manchmal hing die Torlatte zu tief.“

Lukas Nnamdi Mbefo, wie der Pater mit vollem Namen heißt, ist im christlichen Süden Nigerias aufgewachsen. Er ist der Erstgeborene von zwölf Geschwistern. Sechs sind schon in früher Kindheit gestorben, was der mangelnden ärztlichen Versorgung geschuldet ist. Obwohl sein Heimatort Urulla 20.000 Einwohner hat, spricht Pater Lukas von „Dorf“. Noch heute gebe es in weiten Teilen weder Strom noch fließend Wasser.

Immer noch lebhaft in Erinnerung hat der Sohn eines Schneiders die erste Begegnung mit einem Geistlichen. Da war er noch ein Kind. Plötzlich holte der irische Pfarrer sein Gebiss aus dem Mund und legte es auf den Tisch. „Wir haben geglaubt, der kann zaubern“, biegt sich Pater Lukas vor Lachen. (zcc)

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