Klaus-Michael von Keussler las im Grenzmuseum

Durch einen Tunnel in die Freiheit

Spannend: Buchautor und Fluchthelfer Klaus-Michael von Keussler fesselte mit seiner Lesung im Grenzmuseum das Publikum. Foto: Görk

Asbach-Sickenberg. Co-Autor Klaus-Michael von Keussler präsentierte jetzt im Grenzmuseum Schifflersgrund sein Buch „Fluchthelfer – Die Gruppe um Wolfgang Fuchs“.

Keussler, ein hervorragender Erzähler und Vorleser, der das Publikum mit seinen Ausführungen fesselte, skizzierte eindrucksvoll die leidenschaftlichen Empfindungen junger Menschen nach dem Bau der Mauer, dramatische Fluchtaktionen und die Stimmung in Berlin auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges.

Der pensionierte Jurist, Jahrgang 1939, studierte Anfang der 60er Jahre in Westberlin, wurde zum aktiven Fluchthelfer, war an manch spektakulärer Aktion maßgeblich beteiligt und setzte zum Wohle vieler Berliner mehrmals sein Leben aufs Spiel.

57 Menschen flüchteten im Jahr 1964 durch einen 140 Meter langen Tunnel in der Bernauer Straße in den Westen. „Tokio!“ – das war die Parole für die Freiheit. Unter dem Namen „Tunnel 57“ ist das aufsehenerregendste Vorhaben der Fluchthelfergruppe um Wolfgang Fuchs in die Geschichte eingegangen. Unter Lebensgefahr ermöglichten die Fluchthelfer Verwandten, Freunden oder einfach Landsleuten, die Mauer zu überwinden. Die DDR-Grenzer schossen und sie warfen Bomben in entdeckte Tunnel.

Von Keussler berichtete davon, wie er und seine Kameraden in maximal 80 Zentimeter breiten und 80 Zentimeter hohen Tunneln oft mehr als zehn Meter tief unter der Oberfläche schufteten und dabei auch so manches Fiasko erlebten. So flog beispielsweise am 12. Dezember 1962 ein Tunnelbau durch den Stasi auf. Der bereits 40 Meter vorangetriebene Stollen musste an diesem Tag aufgegeben werden, monatelange Plackerei war umsonst gewesen. Trotz dieses Rückschlages ließen sich von Keussler und seine Mitstreiter aber nicht entmutigen und verhalfen in den folgenden Jahren noch vielen Menschen zum Weg in die Freiheit.

In der Zeit des Kalten Krieges gab es auch viele professionelle Fluchthelfer, die in den Tageszeitungen oft als „Umzugsunternehmen“ inserierten und sich ihre Dienste teuer bezahlen ließen. „Wir haben das aus Idealismus getan und von den Flüchtlingen niemals Geld verlangt“, erklärte der Autor während der Lesung nachdrücklich.

Die Besucher im Grenzmuseum waren von der Lesung fasziniert. (zsg) Info: Das Buch „Fluchthelfer – Die Gruppe um Wolfgang Fuchs“, kostet 19,80 Euro und ist im Berlin-Story-Verlag erschienen. www.berlin-story-verlag.de

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