Elternhaus für das krebskranke Kind: Först tritt kürzer

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Aus dem Vorstand zurückgetreten, aber nicht aus dem Verein: Helga Först (Mitte) wird sich auch weiterhin für das Elternhaus für das krebskranke Kind in Göttingen einsetzen. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Mann Helmut (links) und Otfried Gericke, zweiter Vorsitzender des Vereins Elternhilfe, der das Elternhaus ins Leben gerufen hat. 

Göttingen/Weidenhausen. Die Weidenhäuserin Helga Först zieht sich aus dem Vorstand des Elternhauses für das krebskranke Kind zurück.

Wenn man ehrlich ist, sagt Helga Först mit ihrer hellen Stimme, wollen Freunde und Angehörige nach vier Wochen nicht mehr so viel von dem schweren Schicksalsschlag hören, der einen selbst getroffen hat. Zu lange liege der dann zurück, zu sehr ist das Leben seitdem weitergegangen. „Aber man selbst hat nach wie vor das Bedürfnis, ständig darüber zu reden“, sagt die 64-Jährige aus Weidenhausen, „einfach weil es eine therapeutische Wirkung hat.“

Und so beschloss die Frau, die vor 22 Jahren ihren Erstgeborenen durch den Krebs verlor, ihre Stimme nach außen zu richten und sich für eine Einrichtung zu engagieren, deren Anfänge sie und ihr Mann Helmut selbst mitgestaltet haben: das Elternhaus für das krebskranke Kind in Göttingen (siehe Artikel unten). Von der ersten Stunde an verteilte sie rote Rosen auf dem Göttinger Marktplatz, um Spenden für die Einrichtung zu sammeln, die später auch ihr ein Zuhause geben sollte - und die ihr so ans Herz wuchs, dass sie sich im Vorstand des Vereins Elternhilfe, aus deren Initiative das Haus entstanden ist, zu engagieren.

Weiter für Verein unterwegs

Mehr als 20 Jahre ist das jetzt her, weitere 20 Jahre hätten noch hinzukommen können - doch der Krebs kehrte zurück in ihr Leben, dieses Mal in ihren eigenen Körper. „Deshalb kann ich nicht mehr so präsent sein, wie ich es für angemessen halten würde“, sagt die Weidenhäuserin, „und habe meine Tätigkeit im Vorstand aufgegeben.“

Für Otfried Gericke ist das ein Verlust. Der zweite Vorsitzende hat den Verein Elternhilfe ebenfalls aus eigener Betroffenheit mitgegründet, verteilte die Rosen zusammen mit Helga Först. „Wir bedauern das sehr“, sagt er - und blickt die 64-Jährige dennoch glücklich an. Denn das Ausscheiden Försts aus dem Vorstand bedeute nicht, dass sie jegliche Aktivitäten zur Unterstützung des Hauses einstelle. „Und darüber sind wir wiederum sehr dankbar.“

Für Helga Först und ihren Mann Helmut war das von Anfang an klar. Zu sehr ist das eigene Leben mit dem Haus nahe des Klinikums, das 17 Zimmer und zwei Wohneinheiten hat, verwoben. „Als unser Sohn zum ersten Mal erkrankte, gab es das Elternhaus erst als Idee“, erinnert sie sich zurück. Später dann, als dann der zweite Tumor festgestellt wurde, war aus der Idee Realität geworden - und ein zweites Zuhause für die Försts. „Es wird nicht nur ein Bett geboten, in dem man übernachten kann, sondern auch die so wichtige sozialpädagogische Unterstützung.“ Denn oftmals geraten die Ängste und Sorgen der Eltern und Geschwisterkinder in den Hintergrund, weil sich alles auf das schwer erkrankte Kind konzentriert - „aber deren Betreuung ist genauso wichtig.“

Dass es die in dem Elternhaus gibt, will Helga Först auch weiterhin an die Öffentlichkeit tragen. „Auch wenn ich nicht mehr im Vorstand bin: Der nächste Vortrag steht schon im Kalender.“

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